kochtipps für absolut ahnungslose

manchen menschen ist es einfach gegeben gut kochen zu können, ohne dass sie es gelernt hätten. sie haben ein natürliches gespür für all diese kleinen stolperfallen und unwägbarkeiten, die alle anderen zur verzweiflung bringen und in die arme des pizzaservice treiben. wenn man solchen leuten ein bis dahin völlig unbekanntes rezept vorlegt, legen sie unbekümmert los und am ende kommt tatsächlich etwas dabei heraus, das jenem ähnelt, was laut rezept auch das endprodukt sein sollte - und es schmeckt auch noch! die anderen machen im prinzip das selbe, nur irgendwie geht irgendwo was schief und am ende hat man material für den biomüll, den sautrog, oder für den geistesgestörten nachbarshund der nun wirklich alles frisst.

 

der großteil jener begnadeten kochkünstler wissen nicht einmal, dass sie solche sind. es interessiert sie auch nicht sonderlich, da ihre interessen auf anderen gebieten liegen. sie sind ganz zufriden damit, dass sie sich halbwegs normal ernähren können und damit hat sichs. ein kleiner teil ist jedoch fasziniert von diesem thema und werden entweder profiköche, oder begnadete hobbyköche. letztere sind dann jene, von denen man sich zwar gerne zum essen einladen lässt, die man dann aber mit einem seltsamen gefühl der unsicherheit, depression und leichter agression wieder verlässt, weil diese verdammten mistkerle (und miststücke, wir wollen ja politisch korrekt bleiben) wirklich ALLES, jedes noch so schwierige rezept auf die reihe kriegen, während man selbst sogar fertiggerichte versaut.

 

die unbegabten versuchen es dann natürlich nicht einmal mehr etwas halbwegs normales selbst auf den tisch zu bekommen. niemand hat ihnen jemals auch nur die grundlagen des kochens beigebracht und es hat sie auch nie interessiert. man schlägt sich eben irgendwie anders durch.

 

ich selbst hätte vermutlich das talent zum kochen, bin jedoch zu unmotiviert und zu faul um etwas daraus zu machen. hin und wieder, so ein bis zwei mal im jahr lasse ich mich dazu hinreissen irgendetwas schönes und gutes zu fabrizieren, aber das wars dann auch schon. mehr will ich garnicht.

 

was ich jedoch sehr wohl möchte, ist all jenen verzweifelten, die sogar teewasser anbrennen lassen, ein wenig starthilfe zu geben, denn nirgendwo findet sich eine anleitung für die elementarsten grundlagen - zumindest hätte ich bisher noch keine gefunden. ich gebe allerdings zu, dass ich auch nicht großartig danach gesucht habe. ich bemerke nur immer wieder, dass sogar in kochbüchern für dummies davon ausgegangen wird, dass ein mindestmaß an grundwissen vorausgesetzt wird.

 

ich bin alles andere als ein profi, aber ein paar dinge sind mir eben aufgefallen und diese gebe ich nun weiter:

 

  • was auch immer du tust, laufe nicht davon! bleib bei deinem kochenden, bratenden, blubbernden und brutzelnden essen und beobachte was passiert. gehe nicht telefonieren, gehe nicht 5 minuten auf den balkon um zu rauchen und gehe besser vorher auf die toilette. lass dich nicht vom fernseher oder dem pc ablenken. mach am besten nichts ausser einfach nur zu kochen. wenn du profi bist kannst du von mir aus nebenbei machen was du willst, doch du bist keiner, also bleib um himmels willen unter allen umständen bei der sache!
  • setz dein hirn, bzw. deinen hausverstand ein. versuche mitzudenken. denk darüber nach was du hier tust und warum du es tust. das bringt uns auch zum nächsten punkt:
  • vertraue keinem rezept! niemals nie nicht! sieh es als ungefähre anleitung dafür, wie man vielleicht irgendetwas hinbekommen könnte an. es ist eine reisebeschreibung desjenigen, der bereits erfolgreich im land der kulinarischen genüsse war, das heisst nicht, dass das bei dir nun ganz genau gleich funktionieren wird. du weisst nicht, ob dein herd genau so gut funktioniert, wie jenes des rezepterstellers, es könnte also sein, dass dein gericht ein wenig länger braucht, oder aber auch, dass es ein wenig schneller fertig ist. nur weil im rezept 20 minuten steht, ist das noch nicht in stein gemeisselt. wenn es noch aussieht wie gerade erst ins rohr geschoben, dann lass es um himmels willen noch ein bisschen länger drinnen. wenn es nach 15 minuten schon ziemlich durch aussieht, dann hol es mal raus und sieh nach ob das wirklich so ist. ausserdem weisst du nicht, ob die produkte, bzw. zutaten die du dir besorgt hast, auf die selbe art und weise reagieren, wie jene die der rezeptschreiber verwendet hat. die selben nudeln von verschiedenen herstellen können sehr unterschiedlich schmecken und verschieden lange brauchen bis sie als dente sind (al dente ist auch so ein mythos. vergiss das gleich mal. mach die nudeln so wie du sie magst. ich selbst mag sie lieber weich und bazig). das gilt natürlich auch für mehl und gries und alles andere was man so braucht.
  • auch wenn in der anleitung, bzw. im rezept eine bestimmte menge steht, bleib skeptisch. die anleitungen für kartoffelpürree sind zb. IMMER falsch. bei den einen wird es zu dünnflüssig, bei den anderen zu dick. bereite die angegebene menge vor, aber mach dich darauf gefasst,d ass es zu viel sein könnte, also leer nicht sofort alles auf einmal hinein. und schau dass du noch etwas vorrätig hast, falls du doch noch einen schluck mehr brauchst. das selbe gilt natürlich auch für mehl, zucker, was auch immer. wenn dir vorkommt das könnte zu viel oder zu wenig sein, korrigiere vorsichtig nach bis es DIR passt.
  • auch portionsangaben sind höchst selten aus diesem universum. wenn dort steht "für 3 personen", dann ist das meistens EINE portion für MICH. vermutlich sind diese angaben für dürre models die sich sonst von einem blatt salat und einem glas wasser am tag ernähren. ich weiss es nicht. fakt ist, mach lieber mehr als zu wenig. wenn was übrig bleibt kann man es einfrieren, am nächsten tag essen, oder jemandem mitgeben.
  • eier gibt es in verschiedenen größen! jaha, da staunt der laie, gelle? auf den eierschachteln sind die größen wie im kleidergeschäft mit "s", "m", "l" und "xl" angegeben. in den rezepten leider nicht, bzw. nur höchst selten. manchmal hat man glück und es steht dort "1 großes ei" oder "3 kleine eier" oder irgendwas in der richtung. wenn es keine angaben gibt, besorg dir kleine eier und nähere dich der richtigen menge an, indem du erst mal die angegebene menge heineinklatschst und dann siehst ob man nicht vielleicht doch noch 1-2-3 eier dazugeben sollte.
  • wie man eier jedoch richtig öffnet ist schwer zu erklären. jeder hat da so seine eigene methode. ich selbst schlage sie vorsichtig auf die arbeitsplatte, so dass nur eine kleine delle entsteht, und breche sie dann über der schüssel vollkommen auseinander. andere schlagen sie auf irgendeiner kante auf, manhe brauchen dazu 2 hände, andere nur eine. es ist völlig egal, mach wie es dir richtig vorkommt und wie es am wenigsten sauerei zu werden scheint. dass es eine sauerei wird ist aber völlig klar, also stell dich darauf ein.
  • solange du ein bestimmtes rezept noch nicht drauf hast, unterlass jeden anflug von experimenten! es wird ansonsten garantiert schief gehen und du weisst dann nicht warum. lass auch besser irgendwelche hörensagen-tipps ausser acht. nur weil mal bei irgendwem irgendwas funktioniert hat, muss das bei dir nicht auch so sein. wenn du das rezept beherrschst, dann kannst du rumprobieren, vorher jedoch nicht.
  • wenn dir irgendwelche begriffe in dem anzugehenden rezept nicht geläufig sind, dann sieh VORHER nach was das heisst, bzw. was das ist und nicht erst wenn du schon mitten unterm herumwerkeln bist. du hast internet, du hast diesen blog gefunden, also findest du auch alles andere.
  • sollte irgendwas nicht vorrätig oder schwer zu beschaffen sein, dann erkundige dich (internet! siehe oben!) ob es sich nicht durch irgendetwas ersetzen lässt. sauerrahm, creme fraiche und schmand sind zum beispiel fast das selbe, unterscheiden sich jedoch im fettgehalt. zwiebeln, jungzwiebeln, frühlingszwiebeln und lauch sind auch im grunde ein und das selbe gewächs und können meistens miteinander vertauscht werden. es gibt sicher auch noch viele andere beispiele, mir sind im moment nur diese zwei geläufig.
  • mehl ist nicht gleich gleich mehl! es gitb griffiges mehl, glattes mehl, universalmehl und einige spezielle mehlsorten. und das ist wichtiger als man meinen möchte. wenn es keine diesbezügliche angabe gibtm, besorg dir universalmehl. ansonsten sollte es im rezeot vermerkt sein welche mehlsorte zu verwenden ist. und diese MUSS verwendet werden, sonst geht es garantiert schief!
  • rezepte aus den usa sind mit vorsicht zu behandeln. erstens werden dort völlig andere maßeinheiten verwendet die dann nur schwer umzurechnen sind, zweitens gibt es dort zutaten, die für den durchschnittlichen amiländer völlig normal, für uns jedoch nahezu unmöglich aufzutreiben sind, drittens sind unsere zutaten, auch wenn es im grunde die selben sind, doch völlig verschieden, viertens ist es in den usa zb, üblich, dass das backpulver bereits im mehl enthalten ist, das fehlt auf dann auf den meisten rezepten.
  • ein topf ist keine pfanne, eine pfanne kein wok, ein wok ist kein topf! überleg dir was du machst, warum du es machst und wie du es machst. nimm dir mal eine halbe stunde zeit und mach dich schlau. sieh dir an warum ein wok ein wok ist, warum ein gemüsemesser anders aussieht als ein fleischmesser usw... nur wer weiss was er tut und warum er es tut, hat hinterher auch eine ahnung warum unter umständen etwas daneben ging.
  • lass eingefrorenes erst mal genug zeit aufzutauen, bevor du es verwendest. und denk daran, dass das dann auftauwasser ergibt. das gehört weggeschüttet. egal ob es sich um beeren, gemüse oder was auch immer handelt. nun gut, bei fischstäbchen und dem beilagengemüse kann man eine ausnahme machen...

so, das waren fürs erste mal all die dinge die mir so durch den kopf schwirrten. wenn es jemandem geholfen hat, dann freue ich mich über rückmeldung.

 

guten appetit und ... ähm... pfanndl hoass (auf dass die pfanne nie erkalten möge)!

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Kommentare: 2
  • #1

    stefan (Dienstag, 29 Oktober 2013 13:17)

    der geschmack eines gerichtes setzt sich aus verschiedenen geschmacksnoten zusammen. etwas süsses brauch meist den kontrast von salz. eine minimale brise. oder umgekehrt, etwas würzigem fehlt manchmal nur eine kleinigkeit süss. z.b. eine brise zucker oder ein kleines bätzchen honig.

    sauerrahm heisst nicht umsonst SAUERrahm. es hat üblicherweise seinen grund, warum in einem rezept sauerrahm verwendet wird und nicht schlagobers oder creme fraiche. wenn man statt sauerrahm was anderes rahmiges wie schlagobers oder creme fraiche benutzt, muss man irgendwie das sauere reinbringen, z.b. mit etwas zitronensaft oder unter umständen mit gaaanz wenig essig (besondere vorsicht mit balsamico, der hat einen zu starken eigengeschmack). aber immer vorsichtig mit ganz wenig anfangen und gleich kosten, ob sich was verändert hat.

  • #2

    vonsinnen (Dienstag, 29 Oktober 2013 13:38)

    schlagobers statt sauerrahm wird nicht funktionieren, creme fraiche jedoch schon. warum das so ist, erklärt ein kleiner auszug aus wikipedia:

    Saure Sahne oder Sauerrahm (crème aigre, auch crème acidulée) ist Sahne, die mit Milchsäurebakterien versetzt wurde, wodurch sie neben einem leicht säuerlichen Geschmack eine festere, cremige Konsistenz annimmt. Zur Bindung warmer Gerichte ist saure Sahne aufgrund ihres hohen Fettgehaltes besonders geeignet, da sie nicht ausflockt. Gehandelt wird saure Sahne in verschiedenen Varianten unter diesen Namen:

    Saure Sahne, Sauerrahm enthält mindestens 10 % Fett.

    Crème légère ist eine fettärmere Variante der Crème fraîche mit einem Fettgehalt von meist um die 20 %.

    Schmand ist eine fetthaltigere saure Sahne mit einem Fettgehalt von meist 20–29 %. Ein Zusatz von Bindemitteln (meist Stärke) ist erlaubt.

    Crème fraîche (crème fraîche épaisse) enthält mindestens 30 % Fett, ein Zusatz von bis zu 15 % Saccharose ist erlaubt. Crème fraîche darf nach der Fermentation nicht mehr wärmebehandelt werden.

    auch interessant, wusste ich bis jetzt noch nicht (ausser dass es zum käse zählt):
    Aus Crème fraîche wird Mascarpone mit einem Fettgehalt von bis zu 70 % hergestellt, der eine ähnliche Konsistenz wie saure Sahne hat, dieser zählt aber zu den Frischkäsen.

    aber dies alles führt schon viel weiter als ich eigentlich gehen wollte. es ging eigentlich um um die noobs die nicht mal ein spiegelei braten können.