von dunklen stunden und turbodieslern

es gibt menschen, die werden müde, sobald die sonne untergeht. ein bisschen halten sie noch durch, meistens aus pflichtbewusstsein, entweder einem partner oder einer familie gegenüber, oder weil noch irgendwelche dinge zu erledigen sind bevor man schlafen geht. doch spätestens um 22:00 uhr liegen sie in den federn um dann noch vor sonnenaufgang total ausgeruht, fröhlich und voller elan, meistens auch vor sich hin plappernd und mit unerträglich guter laune wieder aus dem bettchen zu hüpfen.  zwischen 04:00 und 06:00 uhr morgens aufzustehen ist für solche menschen ein völlig normales verhalten. ebenso das gut aufgelegt sein und voller elan durch die morgendliche wohnung zu wirbeln. hier wird oft der vergleich mit der nachtigall gezogen, ich bevorzuge den vergleich mit einem benzinmotor. er springt schön an, zieht sofort und tut was man sich eigentlich von ihm erwartet, bis man ihn wieder abstellt.

 

und dann gibt es menschen, die werden erst richtig produktiv, bzw. kreativ, wenn die sonne untergegangen ist. bis spät in die nacht hinein, bzw. sollte man eigentlich sagen bis in die frühen morgenstunden sind sie munter. sie können auch nicht anders. wenn man sie noch vor mitternacht versucht ins bett zu bekommen, dann bleiben sie noch ewig lesend wach, oder wälzen sich stundenlang im bett herum. ausser sie sind ausnahmsweise mal sehr erschöpft von einem anstrengenden tag (oder weil sie entgegen ihrer natur früh aufstehen mussten), krank, oder wurden mit sex geködert. es ist auch relativ egal wann diese wieder aus dem bett fallen, sie brauchen auf alle fälle mindestens eine stunde, wenn nicht länger, um richtig auf touren zu kommen und vor allem um die umwelt wieder erträglich zu finden, bzw. für die umwelt erst erträglich zu werden. heir wird wiederum oft der vergleich mit der eule bemüht, doch ich bevorzuge, analog zu jenem des benzinmotors für die nachtigallen, den eines turbodieselmotors. er tuckert ziemlich schwerfällig in niedriger umdrehung durch die gegend, lässt sich zwar nicht abwürgen und hat auch bei neidriger drehzahlt viel kraft, aber spass macht es nicht damit zu fahren solange der turbo nicht anspringt. wenn man jedoch gas gibt und das turboloch überwunden ist, dann kann das ding ziemlich unvermittelt loßbeissen und sogar fast unkontrollierbar werden.

 

die eingangs beschriebene spezies ist jene, die um 07:00 uhr morgens bereits im büro sitzt, wenn nicht waren sie sicher vorher noch joggen, haben 12 kinder in die schule oder den kindergarten gebracht, waren schon da und dort und haben auch schon die wohnung geputzt. sie gehen natürlich früher als die anderen nach hause, denn sie haben ja noch was dringendes zu erledigen, vielleicht ein haus zu bauen oder ähnliche dinge. natürlich nur so lange die sonne noch scheint, geht sie unter stirbt der motor ab und sie quälen sich noch ein zeitlang bis sie endlich ins bett dürfen.

 

die zweiten, die turbodiesel, kommen gerne mal - unter den mißbilligenden blicken der benziner - zu spät ins büro, holen sich dort zuallererst einmal einen kaffee und rauchen eine bevor es los geht. dafür haben sie aber kein problem damit bis spät in der nacht zu bleiben, dann wenn die benziner - unter den desinteressierten blicken der turbodiesler - längst weg sind und ihre häuser bauen. wenn sie dann nach hause kommen, werden sie aber erst richtig aktiv und kreativ, schreiben bücher, malen, zeichnen, bildhauern, schauspielern, machen musik, oder weiss der teufel was denen sonst noch so alles einfällt und spass macht.

 

das "büro" steht hier natürlich nur exemplarisch für jede art von arbeitsstelle. und von diesen beispielen ausgenommen sind natürlich alle selbständigen, freischaffenden und jene die ihren job lieben.

 

nun, ich bin eine eule, also ein turbodiesler. wenn mich nicht andere umstände zu anderem verhalten zwingen, bin ich bis mindestens bis 03:00 uhr morgens wach. dementsprechend länger liege ich natürlich morgens im bett, meistens bis zum späten vormittag. wenn ich mir nicht den wecker stellen würde, würde ich vermutlich bis mittag durchschlafen, doch einen letzten rest von selbstdisziplin zwinge ich mir durch das weckerläuten doch besser selbst auf.

 

ich genieße diese späten stunden. in der regel sitze ich an meinem laptop, den ich mir wie einen pc mit anständiger tastatur und "richtigem" bildschirm hergerichtet habe, und nebenbei läuft der fernseher. ich finde es entspannend um diese uhrzeit serien zu sehen, die ich vor langer zeit das letzte mal gesehen habe, denn diese werden gerne ins nachtprogramm verbannt. ebenso stolpere ich oft über interessante dokumentationen oder aussergewöhnliche filme, die man tagsüber nicht sieht, geschweige denn abends im hauptprogramm. und wenn ich über diesen domian auf irgendeinem regionalen sender den ich mir nicht merken möchte stolpere, weiss ich ganz genau, dass nun nachteulenzeit ist. früher galt das selbe für "alpha centauri" oder eines dieser computerspiele das im tv lief, zu dem man anrufen musste um es steuern zu können.

 

ich werde auch nicht gestört. es gibt keine anrufe (nicht dass man mich tagsüber oft anrufen würde, aber dennoch hin und wieder), keine sms (davon kommen hin und wieder tagsüber dann doch so einige), keine mails (ausser spam) und keine sonstigen störungen von aussen. ich kann mich ganz auf mich selbst, bzw. darauf was ich tue konzentrieren. und das mag ich sehr gerne. ich bin gerne vollkommen ungestört mit mir selbst und den dingen die ich tue, beinahe schon ein wenig autistisch. die eventuelle androhung einer einzelhaft würde mich in keinster weise erschrecken, im gegenteil, ich würde es im falle des falles vermutlich sogar von anfang an verlangen. nichts wäre mir verhasster, als mit jemand anderen an den mich emotionakl nichts bindet, zusammenleben, bzw. im selben raum schlafen zu müssen. die paar monate beim bundesheer haben mir für den rest meines lebens gereicht.

 

aber ich schweife ab... (kein wunder, ich laufe gerade im turbomuds und komme vom hundertsten ins tausendste)

 

jedenfalls kann ich um diese uhrzeit zm beispiel an meinem blog schreiben, einen text wie diesen würde ich tagsüber kaum zustande bringen, auf alle fälle würde ich sehr viel länger dazu brauchen.

 

doch diese art des tagesablaufes hat natürlich auch seine nachteile. zunächst einmal sind tage, an denen ein termin bei ärzten oder in ämtern ansteht, manchmal ein wenig problematisch. solche termine gibt es nämlich nur an vormittagen, denn das leben der nachtigall-benzinern wird immer noch als moralischer, richtiger und erstrebenswerter eingestuft, als jenes der nachteulen-turbodiesler. also versucht man sie in diese gesellschaftliche passform hineinzuzwingen, denn man hat einfach keine andere wahl. und wer von 07:00 uhr bis 16:00 uhr im büro sitzt wird wohlwollender betrachtet, als jener, der sich von 10:00 uhr bis 19:00 uhr dort aufhält.

 

das späte aktiv sein hat auch noch andere nachteile, so zum beispiel, dass durch die ungestörtheit und das dadurch bedingte sich mit sich selbst beschäftigen können, diese dunklen stunden sich in düstere stunden wandeln können. es passiert zwar selten, aber hin und wieder passiert es eben. für mich ist das kein großes problem, denn erstens kann ich in dem wissen, dass es bald wieder vorbei ist, so eine kleine depressionsdosis sogar genießen, und zweitens macht auch das auf gewisse weise kreativ.

 

doch ein nachteil geht mir gelinde gesagt doch ein wenig auf den sack: durch das späte schreiben, veröffentliche ich meine blogsartikel auch mitten in der nacht, nämlich genau dann, wenn sie niemand liest, ausser 2-3 nachteulenturbodiesler, die dann natürlich trotzdem keine kommentare hinterlassen.

 

ja, das war ein wink mit dem zaunpfahl, nein, soagr mit der ganzen umzäunung. liebe leser, bitte hinterlasst doch mal ein kommentar, so quasi als zählwerk, als übersicht für mich, wie oft das heir nun wirklich gelesen wird. es kann ja auch gerne anonym kommentiert werden. und man muss keine romane verfassen, ein "hi" reicht mir völlig. natürlich freue ich mich dennoch logischerweise mehr über seitenlange kommentare, denn über ein lapidares "hi", aber darum geht es in diesem fall ja nicht. also, bitte hier einen fußabdruck hinterlassen. oder von mir aus auch eine urinduftmarke ;-)

 

danke.

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Kommentare: 4
  • #1

    tbz (Donnerstag, 03 Oktober 2013 08:51)

    tbz liest immer mal wieder mit, aber wohl doch nicht um halb vier nachts

  • #2

    blondes_Gift (Donnerstag, 03 Oktober 2013 12:33)

    Haha, lieber von Sinnen,... ich lese deinen Blog immer wieder, schmunzle meist, wundere mich oft und freue mich zum Ende hin immer, dass ich eine hyperaktive Benzin-Nachtigall bin :)

  • #3

    karacho (Donnerstag, 03 Oktober 2013 19:25)

    turbodiesler hier. ich fühle mit dir.

  • #4

    djpanda (Donnerstag, 24 Oktober 2013 03:01)

    Hallo Sinner.
    Ich hab hier über die SZ zu dir gefunden und konnte nicht umhin diesen Post zu lesen, den ich erkannte mich sofort wieder in der Rolle des "Turbodiesels" und ich war gespannt was den da noch kommt.
    Und nun da ich durch bin kann ich dazu nur schlicht und ergreifend sagen: Ja Eulen sind eben Nachtwesen und meist hocken sie einsam auf ihrem Ast und halten Ausschau nach dem nächsten Opfer.
    Aber da die Nachtigallen zu diesem Zeitpunkt bereits tief entschlafen sind sehen sie auch nie den Fleiß und den Einsatz den die Eulen erbringen um das selbige zu erlegen. Übertragen soviel wie: Ja es ist leider schade das die Einstellung der Eulen zumeist so von der Seite schief angekuckt werden nur weil sie eine anderen Rhythmus haben und vielleicht eine andre Einstellung zum Leben, denn Unterm Strich leisten sie eben soviel wie die Nachtigallen und manchmal noch mehr den eine Eule hat meiner Erfahrung nach weniger Probleme auch mal spät Nachts zu arbeiten oder mal Überstunden dranzuhängen als die Mondscheuen Nachtigallen.

    Damit will ich hier aber mal abschließen den sonst zählt auch der Kommentar hier noch als eigener Blogeintrag :) Also ich denke darüber könnte man sich breit und lange Unterhalten und vielleicht haben wir ja mal die Gelegenheit auf einem Stammtisch

    Nun aber gn8 den nun ist es auch für diese Eule Zeit ins Bett zu fliegen