respekteinflößende heimeligkeit

eigentlich hatte ich ja ganz ein anderes thema für meinen nächsten blog im sinn, doch jetzt kam mir etwas völlig anders dazwischen. etwas gewaltiges, respekt-, ja fast schon furchteinflößendes. und dennoch etwas sehr vertrautes, das mir eigentlich ganz angenheme gefühle beschert. ich spreche von ... einem buch!

 

wie kann denn ein buch respekt- und furchteinflößend sein? nun, es handelt sich nicht gerade um ein kleines buch. es ist ein gebundenes buch, so richtig mit harten buchdeckeln die mit leinen, oder zumindest mit irgendeiner art stoff beklebt sind, mit einem richtigen rücken, der sich wölbt wenn man das buch aufschlägt, mit einem schutzumschlag und einem stoffbändchen als lesezeichen. und wie ich ebreits schrieb: es ist nicht gerade klein! es hat über tausend seiten und die abmessungen sind auch ein stückchen größer, als man es von einem taschenbuch gewöhnt ist. ich hatte schon lange nicht mehr solch ein buch in der hand und darum flößten mir all diese dinge einfach respekt ein. und ja, auch ein kleines bisschen furcht vor der masse an wörtern die ich mir da vornahm.

 

das vertraute und angenehme muss ich, so glaube ich, nun aber nicht noch großartig erklären (und tue es dennoch). jeder der gerne liest kennt das. dieses gefühl das einen beschleicht - nein, ich schreibe lieber "überkommt" statt beschleicht, denn "beschleicht" liest sich mehr nach etwas unheimlichen - wenn man ein "besonderes" buch in die hand nimmt, in diesem speziellen fall das schiere gewicht dieses wälzers, die harten kanten und spitzen ecken des buchdeckels, die sich beim halten des buches in die hand eingraben, die glätte des lesebändchens, wenn man es durch die finger gleiten lässt, der geruch, der bei einem gebundenen buch definitiv ein anderer ist, als jener eines taschenbuches und nicht zuletzt die haptik des papiers, das sich auch anders anfühlt, als das billige taschenbuchpapier.

 

im besten fall kommt noch eine weitere vertraute komponente dazu, nämlich der erzählstil, der sog der geschichte, der einen hals über kopf in das buch hineinfallen lässt. dabei ist es völlig egal, dass man die geschichte noch nicht kennt, es muss sich nicht einmal um einen autor handeln dessen stil einem bereits vertraut ist, dieses "hineinfallen" passiert immer wieder, auch bei völlig fremden autoren und egschichten. und genau das macht ein gutes buch, bzw. eine gute geschichte aus. man schlüpft hinein wie in ein altes paar schuhe, man macht es sich darin bequem wie auf dem lieblingssofa, man möchte wohlig seufzen wie in der badewanne die genau die richtige temperatur hat und man wird irgendwie nicht satt und möchte die buchstaben immer weiter in sich heineinstopfen wie die lieblingsnachspeise die es immer nur zu besonderen anlässen gibt, von der man sich noch eine vierte portion holen möchte, obwohl man schon längst, genau genommen schon seit der ersten portion einen vollen bauch hat, aber man kann nicht aufhören, weil es so unglaublich gut schmeckt.

 

genau deshalb werden e-books nie das buch aus papier verdrängen können. ob e-book reader, tablet oder eine pdf die man am laptop liest, es wird sich immer gleich anfühlen. man kann vielleicht das umblättern eienr seite simulieren, es mag absolut praktisch sein seine ganze bibliothek im format eines schmalen taschenbuches mit sich herumtragen zu können, aber der geruch eines neuen buches kann genausowenig simuliert werden wie das gefühl eines besonderen papiers zwischen den fingern, geschweige denn ein lesebändchen das man durch die finger gleiten lässt. und spinnen erschlägt man garantiert nicht mit einem tablet, e-book reader oder dem laptop, bzw. wenn man es tut, dann hat man es sicher zum letzten mal getan (ja, der witz hat soooooooo einen bart, aber ich liebe ihn nun mal - ausserdem ist er völlig zutreffend).

 

ich habe jedoch absolut nichts gegen e-books einzuwenden. ich finde durchaus, dass sie eine sehr sinnvolle ergänzung zum bisherigen "traditionellen" leseverhalten darstellen. sie haben ihre vorteile die nun mal nicht von der hand zu weisen sind. in etwa so wie ich mp3 immer noch als ergänzung zu cds sehe und cds als ergänzung zu vinylschallplatten, aber nichts davon das andere völlig ersetzen kann und auch nie ersetzen wird, da jedes für sich seine vor- und nachteile hat.

 

für die neugierigen: das buch, das mir heute sozusagen dazwischen kam, ist eines von stephen king. den titel verrate ich jedoch nicht. und ja, genau so wie oben beschrieben ging es mir heute, als ich anfing zu lesen. zuerst der respekt und das kleine bisschen furcht und dann das hineingleiten, wohlfühlen, eintauchen. so geht es mir immer bei stephen king. natürlich ergeht es mir auch bei einigen wenigen anderen autoren so, wie zum beispiel terry pratchett, piers anthony, robert van gulik, ephraim kishon oder kinky friedman, um nur jene zu nennen die mir spontan als erste einfielen, doch stephen king lese ich seit ich 12 bin, also seit über 30 jahren (jaja, jetzt rechnet mal schön mein alter nach), ein buch von ihm ist also immer soetwas wie eine kleine zeitreise in meine kindheit, bzw. in meine jugend. nun gut, kishon lese ich sogar noch länger als king, aber von dem gibt es ja nichts neues mehr seit er verstarb. frechheit. meine lieblingsautoren sollten am besten auf vorrat schreiben, damit ich auch nach deren tod noch jahrelang etwas neues zu lesen bekomme. sowas sollte eigentlich verpflichtend in jeden autorenvertrag als klausel aufgenommen werden. von tolkien taucht ja auch ständig von irgendwoher irgendwas neues auf, nur mit dem unterscheid, dass das meiste von ihm (ausser natürlich der hobbit und der herr der ringe) entweder unlesbar, oder einfach nur öde ist.

 

aber zurück zu diesem buch: ich habe es mir nicht selbst gekauft. ich würde mir, bei aller liebe zu büchern, niemals ein gebundenes buch leisten. aus monetären gründen bevorzuge ich nun mal taschenbücher. doch es gibt mehrere wundervolle möglichkeiten trotz leerer breiftasche zu gebundenen büchern zu kommen. die erste ist der gute alte buchclub. dort bekommt man gebundene bücher zu erschwinglichen preisen, doch wer gerne und viel liest stößt bei diesem angebot recht schnell an seine grenzen. die zweite möglichkeit sind die sogenannten weissen wochen der buchläden, in denen ansonsten preisgebundene bücher verbilligt verramscht werden. weiters gibt es noch die berühmten wühlkisten, doch in der regel finden sich dort doch wieder nur taschenbücher und die gebundenen exemplare will niemand haben. die allerbeste möglichkeit zu günstigen gebunden büchern zu kommen sind bücherflohmärkte. oder man lässt sich ein solches exemplar einfach schenken. in meinem fall traf beides zu. das buch wurde auf einem bücherflohmarkt gefunden und mir dann geschenkt. besser gehts nicht.

 

so und jetzt werde ich mich zum einschlafen einem hörbuch widmen. das wäre auch mal ein blogthema....

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