beschrieben

ich schreibe. womit ich derzeit am meisten schreibe, ist die tastatur meines computers (alienware, schwarz und relativ leise), doch das war natürlich nicht immmer so.

als ich in den frühen 70ern (ja, ich bin tatsächlich so alt) schreiben lernte, gab es noch keine computer für den hausgebrauch. meine ersten offiziellen schreibversuche fanden auf einer jener legendären schiefertafeln statt, die natürlich auch damals schon nicht mehr aus schiefer bestanden, sondern einfach nur eine handliche tafel im din-a4 format waren, vermutlich aus pressspan und irgendwie beschichtet, mit einem holzrahmen. dazu gab es soetwas wie einen weissen buntstift. das hatte den vorteil, dass man fehler oder sonstigen blödsinn einfach wieder webwischen konnte. ausserdem hatten wir auch noch einen setzkasten mit einzelnen buchstaben, mit deren hilfe wir einzelne wörter zusammenzusetzen versuchten. diese setzkästen waren anscheinend nicht billig und die eltern versuchten immer gebrauchte zu ergattern. ich weiss nciht mehr ob meiner neu oder gebraucht war, aber ich hatte einen. musste ich ja.

 bald danach durften wir mit bleistiften in heften schreiben, und konnten es kaum erwarten endlich mit dem füller (der füllfeder) schreiben zu dürfen. in der regel war es ein modell von pelikan oder geha, nur ganz ganz selten hatte jemand ein teureres modell von seinen eltern (etwa montblanc) oder ein no-name produkt. und schon bald kam dann auch das erste mal der tintenkiller (in österreich: tintentod) zum einsatz. ich selbst hatte im laufe meiner schulzeit die verschiedensten ausführungen, sowohl geha, als auch pelikan, zwischendurch sogar einen montblanc meines vaters. aber am allerlängsten hatte ich witzigerweise ein absolutes no-name-billigprodukt in einem hässlichen rot, dessen kappe ich bald mal verlor, und die durch irgendeine metallkappe eines alten geha oder pelikan, die merkwürdigerweise sogar passte, ersetzt worden war.

die ersten jahre mussten wir natürlich in königsblau schreiben, doch sobald uns dies nicht mehr vorgeschrieben wurde, probierten wir alle natürlich auch andere tintenfarben aus. ich probierte alles durch, von grün über rot und violett bis zu schwarz. schlussendlich blieb ich dann bei schwarz und violett hängen, je nach lust und laune und patronenvorrat.

kugelschreiber, so sagte man uns, wären verpönt. und tatsächlich mag ich kugelschreiber nicht sehr, ich versuche sie, wenn es irgendwie geht, zu vermeiden, vor allem wenn sie in blauer farbe schreiben. dieses kugelschreiberblau ist für mich ein synonym alles billigen, darum versuche ich immer dann, wenn es nötig ist, kugelschreiber mit schwarzer tinte zu bekommen, da ich sowieso am liebsten in schwarzer farbe schreibe. aber gerade bei kugelschreibern findet sich auch mein größtes hassobjekt unter den schreibgeräten. hierbei handelt es sich um die seit einigen jahren in mode gekommen fingerdicken, oder manchmal sogar noch "fetteren" exemplare, meistens auch noch mit gummi an jener stelle an der man ihn beim schreiben angreifen muss. ich habe immer das gefühl ich würde einen abgeschnittenen finger in der hand halten. oder noch schlimmer (zartbesaitete damen jetzt bitte nicht weiterlesen!), einen schwanz. also, ein männliches glied. einen penis, lümmel, schniedelwutz, pimmel... wie auch immer man es zu nennen beleibt. *brrrrrrrr*. ich bwerde nie verstehen wie man sowas freiwillig in die hand nimmt.

in meiner jugend hatte ich eine längere phase, in der von mir nur mehr fineliner und rollerball benutzt wurden. vor allem gab es von DEM finelinerklassiker schlechthin, der firma stabilo, diesen auch in einem wunderschönen violett. sogar heute noch habe ich von beiden farben ein oder zwei stifte herumliegen, benutze sie aber kaum mehr, da ich für alltägliche notizen lieber mit etwas anderem schreibe, zum ausfüllen für erlagscheine mit durchschlag sind sie nicht wirklich geeignet, da man stärker aufdrücken müsste und somit die zarte spitze zerstören würde, zum unterschreiben sind sie aus dem selben grund nicht geeignet, sie würden einfach den "schwung" nicht aushalten.

zwischendurch gab es immer wieder experimente, zum beispiel mit druckbleistiften in verschiedenen minenstärken, oder mit tintenrollern. mit diesen tintenrollern dachte ich endlich DAS schreibgerät für mich gefunden zu haben, vereinte es doch alles in sich was mir wichtig erschien: es war kein kugelschreiber, es hatte einen feinen strich den ich nach bedarf mit etwas mehr druck dicker werden lassen konnte, ich konnte den selben stift immer wieder verwenden, und ich konnte mittels tintenpatronen wieder meinen farbexperimenten frönen. doch bald zeigten sich die mängel dieses nur vermeintlich idealen stiftes. diese dinger gingen nämlich ziemlich schnell kaputt. ich weiss nicht woran es lag, aber ständig brach bei meinen stiften das gewinde, mit dem man oberteil an unterteil schraubte, oder die kugel die sich in der schreibspitze befand brach irgendwann auseinander. dazu kam, dass die tinte sehr schnell eintrocknete wenn man den stift ein paar tage lang nicht benutzte.

zwischendurch musste ich nicht nur stenographie (hass hass HASS) lernen (und lernte dabei dass man die metallkappen der stenobleistifte heimlich mit dem feuerzeug aufheizen und jemand anderen damit eine brandblase am bescheren kann, so schnell, dass es das opfer erst mitbekam wenn es bereits zu spät war), sogar 3 mal, wobei ich das meiste schon lange wieder vergessen habe, sondern auch, zusammen mit steno, maschinschreiben. ich habe mich nicht nur geweigert in zeiten der diktiergeräte stenographie zu lernen, sondern auch blind und mit 10 fingern maschine zu schreiben - was wiederum nicht sehr klug war, denn noch heute muss ich zwingend auf die tastatur sehen um zu wissen was ich da eigentlich tippe, bzw. benutze im grunde nur 2 finger. aber auf diese art und weise bin ich dann seltsamerweise auch nicht viel langsamer als jene die alle 10 finger benutzen.

ich mochte auch immer schon exotische schreibgeräte. ein mal hatte ich mir einen kugelschreiber gekauft, der aussah wie ein designobjekt von colani. er lag auch wundervoll in der hand, war natürlich schwarz, schrieb selbstverständlich auch schwarz, und war doch ein absolutes billigprodukt. trotzdem hatte ich dieses ding viele jahre lang in verwendung. weiters fand ich irgendwann und irgendwo 2 alte tintenbleistifte, also solche, die man mit der zungenspitze, bzw. der eigenen spucke befeuchten muss, damit man anständig schreiben kann. aber es funktioniert auch ganz gut im trockenen zustand, dann ist das schriftbild leicht metallisch, bzw. wie ein harter bleistift. weiters habe ich aus "dunklen quellen" uralte blaue kopierstifte, und kopierstifte die auf der einen seite blau, und auf der anderen rot schreiben. sie alle sehen aus wie bleistifte oder buntstifte, sind somit also zum anspitzen gedacht. derzeit habe ich noch keinen von ihnen in verwendung, sie dämmern ruhig vor sich hin. und das ist gut so. wer weiss wie viel von ihrer art es überhaupt noch gibt?

 inzwischen bin ich wieder in meiner kindheit angelangt und schreibe fast nur mehr mit bleistift. ich weiss nicht genau warum, es ist mir so einfach am liebsten. ich mag das geräusch, dass eine bleistiftmine auf dem papier verursacht, ich mag das graphitgraue schriftbild, ich mag es wie flüssig die hand beim schreiben übers papier gleitet, und ich mag es zu sehen wie der stift durch das spitzen langsam aufgebraucht wird. am allerliebsten ein HB, oder noch ein wenig weicher. und es wäre nicht ich, wenn solch ein bleistift nicht ganz besondere voraussetzungen erfüllen müsste, um von mir verwendet zu werden.

 

am allerliebsten mag ich ganz einfache holzbleistifte, unbehandelt und unlackiert, ohne radiergummi am ende. bei ikea gibt es zum beispiel solche. und das tollste an den stiften von ikea ist, dass sie noch nicht angespitzt sind, man hat also einen völlig jungfräuliches kleines stöckchen in der hand, und kann sich aussuchen an welcher seite man zu spitzen beginnt. ich wähle meistens die seite mit dem ikea-aufdruck (also die "gedachte" obere seite, sozusagen genau verkehrt herum), weil somit dieser schriftzug sehr bald nur mehr geschichte ist, und ich einfach nur mehr einen neutralen holzbleistift in der hand habe. lackierte bleistifte mag ich deshalb nicht sehr, weil ich immer das gefühl habe, ich würde aufgrund dieses lacks anfangen zu schwitzen und mir deshalb der stift zu entgleiten. so eine unbehandelte holzoberfläche ist eben doch ein wenig griffiger als eine lackierte. dazu kommt, dass das holz immer dünkler wird, je länger der stift in verwendung ist. und er bekommt macken, und und und... - aber vielleicht ist die abneigung gegen lackierte bleistifte einfach nur in jener zeit begründet in der ich immer wieder steno lernen musste...

 trotzdem gibt es eine ganz bestimmte sorte von lackierten bleistiften die ich ebenfalls in meiner hand "dulde". und zwar müssen sie schwarz sein. ja, ganz einfach nur schwarz. ich hatte einen solchen aus dem londoner dungeon (natürlich mit werbeaufdruck, sehr "geschmackvoll" *g*), weiters hatte ich einen im verbund mit einem ebenso schwarzen radiergummi einmal von meiner exe die um meinen spleen und meine vorliebe für schwarz wusste geschenkt bekommen (den radiergummi besitze ich heute noch), und ich habe 2 besondere exemplare aus einem kempinski-hotel die ich in meiner ehemaligen firma mitgehen ließ. dreieckiges profil, auf einer der 3 seiten ganz am ende ganz klein in silber der aufdruck "faber-castell", auf der 2. seite der schriftzug "kempinski", und auf der 3. seite irgendein kleines symbol. oben drauf dann noch ein schwarzer radiergummi, eingefasst in schwarz lackiertem metall. DAS nenne ich edles understatement! da kann sich jeder 10 mal so teure kugelschreiber verstecken!

zum schreiben gehört natürlich immer papier dazu. auch hier entpuppe ich mich als exzentriker. am allerliebsten schreibe ich auf rauhem, grauem oder leicht braunem recycle-papier. ich kanns nicht beschreiben, es fühlt sich mit bleistift einfach besser an, doch leider ist solches papier kaum mehr zu bekommen, die welt muss ja unbedingt weisses papier haben. stattdessen benutze ich nun die rückseiten alter tisch-stehkalender, also die rückseiten von alten terminplanern. ich finde das ideal, denn durch den spiralring kann man sie verwenden wie einen notizblock, und wenn man es verkehrt herum zuklappt, hat man sogar buchdeckel auf vorder- und rückseite. und manchmal weckt es erinnerungen wenn man sich die gerade verwendete seite aus dem vorigen jahr, oder auch länger davor, nochmal ansieht.

 

für den drucker meines laptops verwende ich fliederfarbenes papier. nicht weil ich so drauf stehen würde, sondern weil ich es nun mal habe. es wurde vor vielen jahren gekauft und braucht nun mal seine zeit bis es aufgebraucht wird. darum kaufe ich auch kein weisses papier, ich brauche es einfach nicht. für irgendwelche test- oder spassausdrucke verwende ich weisse rückseiten bereits bedruckten, bzw. vernwendeten papiers. wenn es kein offizielles oder aus anderem grund wichtiges schriftstück ist, genügt das vollkommen.

bei all dem ist mir natürlich klar, dass ich weder mit bleistift offizielle schriftstücke unterschreiben, noch briefe auf den rückseiten alter terminkalender schreiben kann (obwohl ich letzteres doch immer wieder bei guten freunden tue, ich finde das hat irgendwie charakter). manchmal verwendet sogar der herr von sinnen einen blauen kugelschreiber und stinknormales weisses papier, so wie alle anderen auch.

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