realreden

"das leben besteht aus einer anhäufung von guten und von schlechten dingen. die guten dinge mildern nicht immer die schlechten, aber im umkehrschluss müssen die schlechten auch nicht immer zwingend die guten überdecken."

 

von wem oder woher dieses zitat stammt möchte ich hier nicht verraten. wichtig ist nur, dass es nicht von mir stammt. ich möchte mich schließlich nicht mit fremden federn schmücken.

 

was heisst das nun? warum beginne ich heute mit diesem zitat? nun, sehen wir es uns einmal genauer an und zerlegen diesen äusserst klugen ausspruch:

 

1) "das leben besteht aus einer anhäufung von guten und von schlechten dingen." - das heisst nichts anderes, als dass das leben nun einmal ist wie es ist. mal findet man einen euro auf der strasse, mal tritt man in hundescheisse. man gewinnt und verliert, hat glück und pech, menschen werden geboren und andere sterben. und oft genug ist es auch noch ungerecht verteilt. es gibt menschen denen das glück nur so zufliegt und an anderen klebt das pech wie... nun ja, wie pech eben. beeinflussen kann man dies alles nur zu einem kleinen teil. das heisst nun nicht, dass man sich gottergeben seinem schicksal beugen muss, aber es bringt auch nicht viel wenn man ständig darüber lamentiert dass es nun mal nicht so läuft wie man es gerne hätte. und sonntagskinder die anderen ihr immerwährendes glück ständig unter die nase reiben müssen mag auch niemand gerne. wichtig ist, dass man erkennt dass es nun mal beide seiten geben muss, und wie man damit umgeht. hier den goldenen mittelweg zu finden ist sehr schwierig. und dies bringt uns zum nächsten teil, nämlich

 

2) "die guten dinge mildern nicht immer die schlechten" - ich kann wer weiss wie viele millionen im lotto gewinnen, jedoch wenn ich gerade einen lieben menschen verloren habe (das muss ja nicht immer durch tod geschehen), dann werden mich diese millionen meine trauer nicht vergessen lassen. nun gut, sie können es mir durchaus erleichtern damit fertig zu werden, dennoch wird die trauer deshalb nicht verschwinden. sie wird immer da sein. und so soll es ja auch sein. wenn es etwas zu betrauern gibt, dann soll mich auch nichts und niemand davon abhalten es zu tun. ja, das ist jetzt vielleicht ein recht starkes beispiel, aber ich glaube nun ist jedem klar was ich meine. somit gehen wir also zu

 

3) "im umkehrschluss müssen die schlechten auch nicht immer zwingend die guten überdecken." - bleiben wir bei oben genannten beispiel. der verlust eines lieben menschen sollte mich bei aller trauer nicht davon abhalten meinen lottogewinn zu genießen. es wäre doch ziemlich dämlich sich dieses glück vermiesen zu lassen, oder? 

 

im großen und ganzen kann man also sagen: es kommt wie es kommt und wir können nur sehr wenig daran ändern. es gibt zeiten die beschissen sind, da dürfen wir auch gerne mal deprimiert sein, wütend, vielleicht sogar ein klein wenig verzweifelt. und es gibt aber auch zeiten in denen es uns verdammt gut geht. und da dürfen wir uns an unserem glück erfreuen. wir dürfen uns jedoch nur nicht blenden oder verwirren lassen. wir müssen versuchen zu erkennen welche zeiten die schlechten, und welche die guten sind. wir dürfen uns nicht ständig mit aller gewalt alles schönreden, aber umgekehrt auch nicht alles schlechtreden.

 

gibt es ein "realreden"? ein wertfreies darstellen der situation ohne gleich in emotionslosigkeit abzudriften? wenn ich so darüber nachdenke, dann fällt mir gerade kein wort dafür ein. und das heisst schon was, wenn ICH mal keine worte habe! vielleicht denke ich nur gerade ein wenig zu kompliziert... wie auch immer, wenn dem so ist, dann darf man mich gerne mittels kommentarfunktion mit der nase draufstossen.

 

in dem film "a chinese ghoststory" kommt eine szene vor, in welcher der protagonist bei strömendem regen aus einer kutsche (oder war es eine sänfte?) steigen muss und prompt in einer großen pfütze steht. sein kommentar dazu war "was für ein glück, die pfütze war nicht tief". jahrelang dachte ich mir, dass dies eine coole einstellung von ihm sei, doch inzwischen denke ich mir, dass dies eigentlich eine fast schon zwanghafte verkennung der situation ist. ja, natürlich hat er glück dass die pfütze nicht allzu tief ist, aber andererseits steht er trotzdem bis zu den knöcheln im wasser und kann seine schuhe vermutlich wegschmeissen. man könnte jetzt sagen, dass er einfach nur das positive in seiner situation gesehen hat, ICH sage jedoch, dass er die situation nur zur hälfte erfasst hat. ihm ist zwar klar, dass er bis zu den knöcheln im wasser steht, aber er ignoriert es einfach. und das finde ich einfach nicht gut, denn es gehört nun mal beides dazu. er hat glück, dass er nicht bis zu den knien im wasser steht, trotzdem steht er im wasser, was ihm unter umständen noch ärger bereiten wird wenn er die schuhe wegschmeissen muss, oder wenn er sich gar einen schnupfen geholt hat, mal ganz davon abgesehen, dass er zusehen muss erst mal wieder trocken zu werden.

 

kann man mir irgendwie folgen? ich hoffe doch schon. es ist spät in der nacht und manchmal neige ich dazu herumzuschwafeln ohne auf den punkt zu kommen.

 

also, bitte alles sehen, das gute und das schlechte, nicht vor einem aspekt des lebens die augen verschließen, sonst entgeht einem einfach ein teil des lebens. "realreden" und nicht schön- oder schlechtreden.

 

(ich sags euch, heute war es extrem schwierig ein passendes bild zu finden!)

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