alte träume in der geldtasche

seit jahren, ja eigentlich schon seit jahrzehnten, trage ich etwas in meiner geldtasche mit mir herum, das nie fehlen darf. es ist kein glücksbringer, auch keine erinnerung an irgendwas, zumindest streng genommen ist es das nicht, und im grunde benutze ich es so gut wie nie, das letzte mal vor fast 4 jahren. und trotzdem passe ich darauf auf, weil ich mich ohne diesem ding unwohl fühlen würde. es handelt sich um ein kleines stück plastik - ein plektron, ein gitarrenschlagblatt.

 

in meinen jungen jahren war ich sänger einer leidlich bekannten und gar nicht mal so schlechten band. sänger deshalb, weil ich nichts anderes konnte, ich hatte nie ein instrument gelernt, aber singen konnte ich - und das sogar ziemlich gut. eine gute stimme hatte ich zudem auch noch. und durch einen zufall fand ich sogar eine band die ohne sänger dastand und gewillt war mich als sänger zu akzeptieren. schuld daran war eigentlich eine andere leidenschaft von mir der ich inzwischen auch nicht mehr nachgehe, nämlich das theater spielen, denn während einer probe fand ich den zettel der band die einen sänger suchte am schwarzen brett, doch das nur nebenbei....

 

irgendwann war mir jedoch nur singen zu blöd, also ließ ich mir von einem meiner gitarristen das gitarrespielen beibringen. seltsamerweise hatten wir nämlich immer eine gitarre im haus, obwohl niemand von uns gitarre spielen konnte. so richtig gelernt habe ich es dennoch nie. ich ließ mir die griffe zeigen, bzw. zeichnete sie mir auf, und spielte einfach rum. ich lernte kein fingerpicking, keine tonleitern und somit auch keine solos, aber ich wurde ein verdammt guter rhythmusgitarrist. noch dazu einer der gleichzeitig spielen und singen konnte, was für meine bandkollegen offenbar ein ding der unmöglichkeit war. wer ahnung vom gitarre spielen hat sieht sofort, dass meine handhaltung ein wenig seltsam ist und ich das plektron ebenso auf seltsame art und weise halte, aber hey, ich bin nicht der erste der einen seltsamen stil hat. ein jimmy hendrix spielte links auf einer für rechtshänder bespannten gitarre und ein jeff healey hat sie am schoß liegen.  und noch eine eigenart hängt mir seit damals nach: die gitarre auf der ich lernte, war eine wandergitarre mit einem etwas kürzeren hals als üblich, somit gewöhnte ich mir eigentlich eine völlig falsche armhaltung an. wenn ich eine normale gitarre in der hand halte, kommt sie mir immer noch zu groß vor. 

 

eines tages starb nun völlig unerwartet (logisch dass es in diesem jungen alter unerwartet war, wir waren alle rund um die 20) unser bassist. es wurde zwar ersatz gesucht und gefunden, doch die band begann zu zerbröckeln und löste sich dann irgendwann ganz auf. es kamen noch ein paar kurze andere projekte nach, doch irgendwann hörte ich ganz auf zur gitarre zu greifen. geblieben ist jedoch dieses kleine stück plastik in meiner geldtasche, denn damals hatte ich mir angewöhnt immer eines bei mir zu tragen, denn es gibt nichts blöderes, als zwar mit gitarre, jedoch ohne plektron dazustehen, wenn man eigentlich nur mit plektron spielen kann.

 

ob mir das gitarre spielen fehlt? oh ja, durchaus. nicht oft, aber doch hin und wieder. aber ganz ehrlich, so alleine für mich dahinzuklampfen macht mir dann auch wieder keinen spass. und darum steht die klampfe in einem sack bei mir im eck herum und verstaubt ganz leise.

 

aber hauptsache ich habe ein plektron dabei, völlig egal wo auch immer ich mich gerade befinde. es ist also doch irgendwie sowas wie eine erinnerung an alte zeiten, auf seine eigene art und weise auch ein glücksbringer, und natürlich auch das festhalten an alten träumen.

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