hausstrecke und hausverstand

es gibt eine sogenannte "hausstrecke". jeder hat soetwas, denn das ist die strecke die man sehr oft, wenn nicht sogar täglich benutzt, um von seinem zuhause woandershin zu kommen, bzw. wieder zurück. in der regel ist dies der weg zum arbeitsplatz, oder zumindest ein teil davon, wird aber natürlich auch zu privaten zwecken benutzt, zum einkaufen, wenn man ausflüge macht, oder ähnliches. meistens beschränkt sich diese "hausstrecke" auf den weg zwischen haustür (bzw. den parkplatz des eigenen pkws) und auffahrt zur autobahn. die autobahn selbst zählt nicht unbedingt dazu.

 

in meinem fall ist dies eine relativ malerische landstrasse, die sich zum größten teil der kontour des berges entlangschlängelt, an einem schloss und einem teich im wald vorbeiführt, und sogar, fast wie bei einer allee, von bäumen gesäumt ist. aufgrund ihrer, sagen wir einfach mal "ländlichen natur", hat diese strasse relativ viele, teilweise sehr enge und uneinsichtige kurven, ist mal breiter, mal enger, und wenn einem ein bus oder lkw entgegenkommt heisst es vorsicht walten zu lassen, denn es könnte sein, dass nicht beide fahrzeuge auf der strasse nebeneinander platz finden. das selbe gilt für kfz mit ausländischen kennzeichen, denn diese suchen meistens das eben erwähnte schloss, oder sind gerade dabei die großartige heimatliche fauna (kuck mal, ne kuh!) zu bestaunen, anstatt sich auf weg und verkehr zu konzentrieren. noch schlimmer und nervenaufreibender wird es, wenn man das pech hat, dass einem ein solcher verkehrsteilnehmer nicht entgegenkommt, sondern man ihm hinterherfahren muss, denn überholen ist auf dieser strecke nahezu unmöglich, und an den wenigen stellen an denen dies möglich wäre, lauert fast immer gegenverkehr. nur busse, lkw und traktoren hat man noch lieber vor sich. trotzdem, es ist eine sehr schöne strecke und ich fahre sie viel lieber, als die alternative variante über die autobahn - auf der ich übrigens auch nicht viel schneller bin, ich habe die zeiten bereits mehrmals gemessen und verglichen :-)

als wir damals vor über 30 jahren nach tirol zogen, war diese strasse in einem erbärmlichen zustand. sie war ein einziges flickwerk und in einer besonders langen kurve hing das fahrbahnniveau durch absackung dermaßen, dass man im grunde 2 fahrbahnen auf 2 verschiedenen niveaus hatte. jedoch gab es damals auf der ganzen strecke nur eine einzige geschwindigkeitsbeschränkung, nämlich an einer stelle, an der man an einem kleinen sägewerk vorbeikommt. da sich dieses zu beiden seiten der strasse befand (und immer noch befindet) und die gefahr bestand, dass sich arbeiter oder schwere sägewerksdingsgeräte quer über die strasse bewegen, war dort immer schon eine beschränkung auf 50km/h. doch schon damals stellten sich die gendarmen (die heute nur mehr "polizisten" heissen) vorzugsweise des nächtens ab ca. 20 uhr dort auf um geschwindigkeit zu messen und dementsprechend stafen zu kassieren. zu einem zeitpunkt also, zu dem ganz sicher nicht mehr mit arbeitern zu rechnen wäre. tagsüber, wo es für alle beteiligten tatsächlich gefährlich gewesen wäre, habe ich sie noch nie dort gesehen. so wie ich auch übrigens in den ganzen 30 jahren NOCH NIE einen arbeiter oder arbeitendes gerät im sägewerk gesehen habe. TATSACHE!

natürlich ereigneten sich in all den jahren auch so einige unfälle auf dieser strecke. mein vater zum beispiel, der eigentlich nur selten etwas trank, und wenn dann nie mit dem auto fuhr, platzierte sein auto ausgerechnet in leicht angeheitertem zustand nach einem zeltfest auf einen gullysockel, der sich an einer weggabelung genau zwischen den zwei wegen befand. nach seinen angaben konnte er sich einfach nicht entscheiden ob er nun links oder rechts fahren sollte, da beide wege nach hause führten und beide in etwa gleich lang waren. dies kostete ihn (bzw. dem auto) die ölwanne. ein freund und nachbar setzte sein auto, das eigentlich seiner schwester gehörte, damals noch ohne einen führerschein zu besitzen (!) in den bach. nicht ohne vorher ca. 15 meter wiese überquert und ein gestrüpp niedergemäht zu haben. das auto landete übrigens auf der strassenabgewandten seite des baches, er hatte es also geschafft fast den ganzen bach zu überfliegen, nur das hinterteil des wagens hing noch im wasser. trotzdem war der ford escort xlr3i totalschaden, der dann in monatelanger handarbeit wieder hergerichtet wurde. eine bekannte schaffte es mit dem hinterteil ihres kadetts AUF einer art zaun neben der strasse hängenzubleiben. das kam sogar aufgrund der kuriosität dieses ereignisses in die regionalzeitung. einer weiteren bekannten sprang sogar mitten in der nacht irgendein rotwild in ihren coolen toyota celica. ein weiterer nachbar (der bruder des bereits erwähnten) wickelte sein auto um einen baum und bekam daraufhin eine rechnung für die wiederaufforstung *g*. der betreffende baum steht übrigens noch immer und gedeiht prächtig.

in 30 jahren passiert natürlich so einiges auf solch einer strecke. ein mal kam ich gerade kurz nach einem unfall der sich soeben ereignet haben musste dazu. ein bus hatte einen pkw abgeschossen - oder umgekehrt - zum glück ohne verletzte. und natürlich hat auch diese strecke, so wie die allermeisten auf der welt, todesfälle gefordert. grablichter am strassenrand zeugen davon.

 in diesen 30 jahren hat sich die strasse an sich kaum verändert. natürlich wurde sie saniert, das ganze flickwerk wurde begradigt, ebenso die hängende stelle in der kurve. wo es möglich war wurde sie ein wenig verbreitert, es wurde ein paar alte bäume gefällt, dafür jedoch sehr viel mehr neue gepflanzt. im grunde hat sich der charakter der strecke in all den jahren nicht verändert. was sich jedoch verändert hat, ist die erlaubte geschwindigkeit mit der ich sie offiziell befahren darf. wie ich bereits schrieb, vor 30 jahren durfte man die ganze strecke über höchstgeschwindigkeit fahren, ausser auf dem kurzem teilstück mit der 50er-beschränkung. und das, pbwohl sie damals noch sehr viel gefährlicher war als sie es heute ist. natürlich fuhr man nicht die ganze strecke hindurch 100km/h, das wäre gar nicht möglich gewesen.

 heutzutage befinden sich alle naselang schilder mit geschwindigkeitsbeschränkungen auf 70 oder 50km/h, und ich frage mich was das soll. muss man wirklich einem führerscheinbesitzer vorschreiben, dass er vor einer engen kurve auf 50km/h herunterbremst? hat man denn nicht irgendwann mal das fahren und das einschätzen von strassenverhältnissen gelernt? vielleicht bin ich arrogant wenn ich mich persönlich gefrotzelt fühle wenn mir offensichtliche dinge noch einmal explizit vorgekaut werden, mag sein. vielleicht fahre ich auch wirklich zu rasant (ich nenne es lieber "zügig"), jedoch liegt mein letzter verkehrsunfall schon viele jahre zurück, und auf dieser speziellen strecke hatte ich noch nie einen unfall - ausser damals, als sich mein rechter vorderreifen verabschiedete, aber das ist eine völlig andere geschichte, zudem war es nicht meine schuld.

 doch diese vorschreibewut fällt mir seit ein paar jahren immer mehr auf. an stellen, an denen es im grunde nicht notwendig wäre, werden einem höchstgeschwindigkeiten vorgeschrieben, die entweder im grunde viel zu niedrig sind, oder die man sowieso bei normaler fahrweise kaum überschreiten könnte. dafür herrscht an nahezu jedem kreisverkehr die blanke anarchie, weil kaum jemand weiss, wie er sich vor und in einem solchen zu verhalten hat. irgendwo gibt es da ein mißverhältnis. an leicht überschaubaren stellen stehen stoppschilder, dafür an unüberschaubaren stellen wieder vorrang geben schilder, und zwar dort wo man sowieso stehen bleiben muss, weil es nicht anders geht. wenn man in innsbruck vom vielbefahrenen ring in eine bestimmte strasse einbiegen möchte, gibt es dort ein schild mit ca. 20 zeilen text, wofür man eigentlich stehen bleiben müsste um diesen text erst mal zu lesen und zu verstehen, bevor man in diese strasse einfährt, doch das geht nicht, da hinter einem bereits die nächsten verkehrsteilnehmer mit mindestens 70km/h angebraust kommen und man vielleicht abgeschossen wird. dennoch wäre es wichtig zu wissen was auf dem schild steht, denn dort wird festgehalten wann nun die einfahrt erlaubt ist und wann nicht. beispiele könnte ich noch viele bringen, aber das wäre müßig.

jedenfalls frage ich mich, ob die verkehrstechnisch zuständigen behörden, bzw menschen, glauben, ob die bevölkerung bereits so verdummt ist, dass man ihr wie der beifahrer bei einer ralley, bei jeder kurve, an jeder stelle die nicht gerade verläuft (und sogar dort) vorschreiben bzw ansagen muss, was sie zu tun hat. nicht mehr lange, und es gibt schilder die einem sagen wann man hoch- und wann man wieder runterschalten muss, wo und wann zu bremsen ist und wie stark - und das alles noch in den verschiedensten ausführungen, je nachdem welches wetter gerade vorherrscht.

andererseits wundert es mich dann doch wieder nicht, denn moderne autos nehmen einem inzwischen ja das selbständige fahren fast komplett ab. wenn es ums einparken geht, tun dies manche bereits tatsächlich. wer kann denn noch mit einem auto fahren ohne abs, esp, asr, abstandswarner und was weiss ich was es da noch für zeugs gibt. von merzedes gibt es ja bereits ein system, das einen in die fahrpause schickt, wie ich kürzlich in eienr werbung sah. als ich jung war lernte ich, dass man nach ca. 2 stunden fahrt eine pause einlegen sollte, heute sagt einem das der bordcomputer. und ich persönlich weiss inzwischen ganz genau wann ich eine pause brauche und wann nicht.

wir wollen es uns immer noch einfacher machen, verlernen dabei jedoch selbständig zu denken.

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