die freiheit der einschränkung

heute las ich in einem anderen blog darüber, wie sich jemand auf ironische art von seinem fernseher, bzw. vom fernsehprogramm im allgemeinen verabschiedete. ich konnte dem geschriebenen in den allermeisten punkten zustimmen, doch wie das nun mal bei individuen so ist, habe ich teilweise nun doch andere andere ansichten und erfahrungen. ich möchte hier nicht im detail auf die punkte des oben erwähnten blogs eingehen, die erwähnung dessen fand nur deshalb statt, um erstens zu erklären wie ich überhaupt auf die idee kam nun diesen (meinen) blogeintrag zu verfassen, und zweitens denke ich, dass er (der erwähnte blogbeitrag) es verdient hat gelesen zu werden.

 

so lange ich denken kann, gab es in meinem haushalt einen fernseher. wenn ich es mir recht überlege, dann wäre mir nicht bewusst überhaupt irgendjemanden gekannt zu haben, der keinen tv zuhause stehen gehabt hätte, wiewohl es vermutlich doch so gewesen sein muss, anfang der 70er jahre war es nämlich doch noch nicht so normal, dass in jedem haushalt ein tv-gerät stand. trotzdem hatten vermutlich mehr haushalte einen fernseher, als ein automobil.

 

ich weiss nicht mehr welches modell es war, aber es war definitiv noch schwarzweiss. ich kann mich auch an keine einzige sendung erinnern die ich gesehen hätte, dazu war ich offenbar zu jung. ich weiss jedoch sehr genau, dass das was ich sah sich nicht von dem unterschied, was ich sah, wenn wir bei meinen österreichischen verwandten zu besuch waren, sehr wohl jedoch von dem was unsere nachbarn sahen, mit denen wir in einem doppelhaus wand an wand wohnten. in meiner kindlischen unschuld machte ich mir darüber keine gedanken, später jedoch wurde mir bewusst, dass mein vater, der ja aus österreich stammte, sich dazu entschieden hatte das österreichische tv-programm einzustellen, bzw. anzusehen, anstatt dem deutschen, da wir in bayern wohnten und es technisch, bzw. empfangsmäßig möglich war. offenbar war es jedoch nicht möglich alle möglichen programme zu empfangen, darum musste er sich für eine der beiden varianten, also österreichisches oder deutsches programm, entscheiden. mich persönlich tangierte das nur am rande, nämlich nur dann, wenn mir die befreundeten nachbarskinder von winnetou, old shatterhand und anderen karl may verfilmungen erzählten, die sie im fernsehen gesehen hatten, die ich jedoch nicht sehen konnte. deutsches programm und die mainzelmännchen kannte ich nur von diversen besuchen bei unseren deutschen verwandten

 

als wir dann nach stuttgart zogen, war es jedoch mit dieser parallelwelt vorbei, ab diesem zeitpunkt sah ich das was auch alle anderen sahen. nun hatte ich selbst die mainzelmännchen als füller zwischen der abendlichen werbung, wobei ich dann doch 's äffle und 's pferdle bevorzugte, ja ich hatte sogar mehr programme, denn nun kamen ein oder zwei regionalprogramme zu den beiden großen ard und zdf dazu.

 

es gab dann auch bald einen farbfernseher, der als einschaltknopf eine art schlüssel hatte den man abziehen konnte, damit niemand unbefugt fernsehen konnte, doch die funktionsweise dieser vorrichtung hatte ich bald geknackt und konnte somit jederzeit fernsehen wenn ich wollte. dies war nämlich die zeit in der ich bewusst anfing tv zu sehen, bzw. stammen meine ersten bewussten erinnerungen an fernsehen aus dieser zeit. ich erinnere mich an das feuerrote spielmobil, an plumpaquatsch und an robbi, tobi und das fliewatüt. ich erinnere mich auch an mischmasch und die sesamstrasse, an den weissen löwen kimba, an sindbad (nicht die zeichentrickserie!) und die rebellen vom liang shan po und vor allem an meinen ersten horrofilm der eigentlich gar keiner war, denn es handelte sich hier um "tanz der vampire". ich glaube ich habe hier bereits davon und von anderen kleinen tv-erinnerungen geschrieben.

 

dies war in der zeit ende der 70er, anfang der 80er jahre. damals begann das fernsehprogramm erst irgendwann am späten nachmittag, vormittags gab es schulfernsehen (wobei ich das in deutschland nie ansah, sondern erst in österreich), zwischen halb acht und viertel nach acht gab es nachrichten, werbung (mit oder ohne mainzelmännchen oder äffle und pferdle) und zuhause das abendessen. es gab noch das testbild und die bundeshymne zum sendeschluss. und es war die zeit, in der man einen fernseher durch wohldosierte seitliche schläge dazu bringe konnte, wieder so zu funktionieren, wie er solle *g*.

 

und dann ging es schlag auf schlag. zuerst wurde das programm auf den ganzen tag ausgedehnt, so dass wir sogar das eine oder andere mal früher vom schwimmen nach hause gingen, nur um irgendeine folge irgendeiner serie nicht zu verpassen. dann gab es plötzlich privatsender, satellitenschüssel und kabelfernsehen, wobei mein größtes interesse mtv galt. und dann gab es auch immer mehr stereofernseher in den haushalten.

 

ehrlich gesagt fand ich diese stereofernseher lächerlich, man hörte es ja sowieso nicht wenn man nicht genau mittig davor saß. zudem war der klang immer sehr dünn, richtige bässe konnte keines dieser geräte. trotzdem machte es mir spass mir stundenlang mtv anzusehen, bzw. anzuhören, vor allem wenn ray cokes zu sehen war.

 

inzwischen sind wir beim 3d high defintion fernsehen samt surround sound und ultraflachen bildschirmen auf denen wir 24/7 das programm unserer wahl ansehen können angelangt. 

 

ach es gäbe so vieles zu erzählen, erinnerungen die mit fernsehen, bzw. dem fernsehprogramm zu tun haben. aber ich möchte nun doch auf einen punkt des eingangs von mir erwähnten blogartikels eingehen:

 

der verfasser schreibt davon, dass es kaum mehr sehenwerte inhalte gibt, und wenn, dann sind sie so gut versteckt, dass das suchen danach kaum mehr lohnt, bzw. dass man sich besseres programm mit besseren inhalten jederzeit und einfacher aus dem internet holen kann. nun, damit mag er ja recht haben, doch genau darin unterscheiden wir uns.

 

ich genieße die überraschung, die mir das entdecken des fernsehprogramms bieten kann. nur durch herumzappen und sehen was es denn so gibt, kam ich dazu dr who zu entdecken, oder zum beispiel game of thrones. ich fand serien und filme die ich ansonsten nie im leben entdeckt hätte, wenn ich nicht zufällig durch das wahllose herumzappen darauf gestoßen wäre. nun, natürlich könnte man sagen, dass man sich zum beispiel game of thrones irgendwie gar nicht entziehen kann, da dieses thema ja omnipräsent ist. doch, das kann man, und zwar indem man sich weigert der masse nachzulaufen und lieber selbst auf entdeckungsreise geht. als anfang dieses jahres game of thrones in deutscher synchronisation im freien tv lief und ich hineinstolperte, wusste ich nicht mal wo ich da hineingeraten war. so konnte ich es vorurteilsfrei und ohne bestimmte erwartungen genießen, bzw. entdecken.

 

was ich sagen will ist, dass man sich durch die uneingeschränkte auswahl im grunde doch wieder selbst einschränkt. wem alle möglichkeiten offenstehen, der wird schlussendlich doch wieder nur zum altbekannten greifen und nur höchst selten neues ausprobieren. vor allem wird er sich nicht auf die suche nach neuem begeben. wer aus 200 zahnpastasorten auswählen kann wird nicht alle durchprobieren, sondern jene wählen, die er kennt. raucher bleiben in der regel bei "ihrer" marke. und fernsehseher die on demand sehen können was sie wollen, werden kaum eine deutsche fernsehproduktion aus den 90ern ansehen, sondern greifen zu den blockbustern.

 

ich will auch weiterhin unverhofft über etwas stolpern und an ein fixes zeit korsett gebunden sein. ja, das mit der zeit ist auch so ein ding. früher wusste man, wenn diese oder jene signation ertönte, dann ist es soundsoviel uhr. dienstag abend zum beispiel. universum. da wusste man, jetzt ists viertel nach acht. oder die signation der tagesschau, zeit im bild, den tagsthemen oder tirol heute, je nachdem wo man zuhasue war bzw. was man bevorzugte. und so ist es auch heute noch. galileo heisst für mich 10 minuten nach 19 uhr. nur mal so als beispiel.

 

dieses thema ließe sich nun auch wunderbar auf das radio ausdehnen, aber für heute ists wieder mal genug.... 

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