lesezeichenjäger

ich las einmal ein buch über das lesen, nämlich ex libris von anne fadiman. man könnte sich denken dass es nichts langweiligeres geben könnte, als ein buch darüber zu lesen was man gerade selbst tut. nun ja, wie so oft kommt es auf die art wie dies geschieht an. wie zum beispiel auch in dem roman firmin - ein rattenleben ging es im grunde um nichts anderes als das lesen und literatur im allgemeinen. naja, ich habe mir dieses buch ja nicht umsonst ausgesucht. ich liebe es nun mal zu lesen. 

in der ersten geschichte ging es darum, wie sich die autorin und ihr gatte dazu entschlossen ihre beiden bibliotheken zu "vermählen". dies ist ein vorgang, der durchaus seine tücken hervorbringen kann. ich war selbst schon einmal in dieser situation, als ich mit meiner nunmehrigen exe zusammenzog. jeder hat eben sein eigenes system. dies beschränkt sich nicht nur auf die ordnung an sich, welche art von büchern wo steht und wie sie zueinander stehen, sondern auch WIE sie stehen, soll heissen, wie sie sich physisch in einem regal befinden. ich selbst kann es zum beispiel nicht leiden wenn man bücher hinter anderen büchern versteckt, sie nicht mit den rücken nach vorne stehen, oder verkehrt herum eingeordnet werden. ich habe jedoch kein problem wenn man aufgrund platzmangels bücher übereinander stapelt. im gegenteil, das lockert das gesamtbild der bibliothek auf.

manche finden es jedoch seltsam, wenn sich im einen fach bücher übereinander stapeln, während in dem daneben noch genug platz wäre. dabei ist das doch ganz logisch: im einen fach befinden sich miteinander "verwandte" bücher, zb. eines genres, eines autors, oder ähnliches, und im anderen fach eben etwas anderes. ich könnte niemals stephen king neben ephraim kishon platzieren, nur weil sie im alphabet aufeinander folgen, ich bin ja keine bücherhandlung die nicht solche skrupel hat, das wäre dann wie eine cd von metallica neben eine von moby zu stellen oder schnitzel mit vanillejoghurt zu essen *grusel*. nur weil ich beides mag muss es dennoch nicht zusammenpassen.

als dann meine exe zu eben dieser wurde, nämlich zu meiner ex, und aus der gemeinsamen wohnung auszog, war es kein leichtes diese zusammengewürfelte gemeinsame bibliothek wieder in 2 verschiedene zu trennen. ich würde fast sagen, das war noch schwieriger als damals, als 2 sammlungen zusammengeführt werden mussten. es war ja kein problem die eigenen bücher als solche zu identifizieren, jedoch hatten sich im laufe der gemeinsamen jahre sehr viele neue dazugesellt. und leider mochten wir den großteil davon beide sehr gerne. obwohl ich zum beispiel die SPQR-reihe von maddox roberts nie wieder lesen werde (sie gefiel mir sehr gut, aber ich lese kaum bücher ein zweites mal, lieber fange ich etwas neues das ich noch nicht kenne an), ist es sehr schade, dass diese sich nicht mehr in MEINER sammlung befindet. aber nun ja, trotzdem blieb ein großer teil der gemeinsamen sammlung bei mir, den anderen teil hat sie, ich habe sogar einige bücher die ursprünglich ihr gehörten, und umgekehrt. dies ist auch eine art von "ewiger bindung", obwohl man nun das weitere leben getrennt verbringt. und irgendwie hat das wieder was schönes an sich... vor allem da wir uns ja immer noch (wie ich nicht müde werde zu erwähnen) sehr gut miteinander verstehen. zudem sind wir ja trotz allem vater und mutter des selben kindes. sohnemann kann also sowieso aus beiden bibliotheken auswählen, und wenn ich doch etwas lesen möchte, das sich in ihrem besitz befindet, dann leihe ich es mir einfach aus - und umgekehrt.

irgendwie seltsam ist, dass ich, obwohl ich musik wirklich sehr liebe, aufgehört habe cds zu kaufen. nachdem es viele möglichkeiten gibt sich die musik auf andere art zu beschaffen ist das auch nicht nötig, und die musik kommt ja sowieso immer aus den selben lautsprechern von der selben anlage, egal ob es mp3 oder cds sind. früher als ich noch lps, singles und maxisingles kaufte war das etwas anderes. ich betrachtete jedes cover, las das inlay, studierte sämtliche angaben und las die texte mit während die musik lief. seit es cds gibt mache ich das kaum mehr so, bzw. habe ich die lust daran verloren. somit ist dieses "selbst besitzen wollen" in den hintergrund gerückt. ich möchte inzwischen nur mehr die musik haben, die verpackung ist mir egal.

anders jedoch bei büchern. sehr viele bücher gibt es ja als hörbuch bzw hörspiel. ich höre sie mir auch sehr gerne an, doch wenn mir etwas besonders gut gefällt, dann kaufe ich mir nicht das hörbuch, sondern das BUCH in papierform. das hörbuch habe ich dann ja bereits. in der regel ebenso als mp3 wie es bei der musik der fall ist. elektronische bücher kann ich nicht leiden. es ist einfach mühsam an einem bildschirm lesen zu müssen und für irgendeinen tablet-pc habe ich sowieso nicht das geld. mal ganz davon abgesehen, dass so ein ding niemals ein buch ersetzen können wird. ein buch riecht, ein buch raschelt, ein buch zerschneidet einem den finger wenn man nicht aufpasst, es hält vieles aus, zb. fallengelassen zu werden, umknicken, mit flüssigkeiten übergossen und mit eis und schokolade angepatzt zu werden (und trägt so auch wieder auf eine völlig andere art und weise zu erinnerungen bei), und es wird höchst selten geklaut wenn man es aus versehen irgendwo liegen lässt. ausserdem benötigt es keinen strom. und spinnen kann man auch damit erschlagen.

AUSSERDEM brauche ich für ein buch lesezeichen. und ich habe viele lesezeichen. ich habe sogar sehr viele lesezeichen, gar unmengen davon würde ich mich nicht scheuen zu behaupten. einige davon sind schon recht alt und verbraucht, zerknittert, abgewetzt, eingerissen, andere sind recht neu. immer wieder kommen welche dazu. einige mag ich sehr, andere sind halt einfach "da".

mein allererstes lesezeichen war ein selbst gebasteltes. ich nahm ein briefkuvert, kein längliches sondern das format c5 (wennich nicht irre - oder ist das c6? keine ahnung), also jenes format, in dem eine din-a4 seite, ein mal längs, ein mal quer gefaltet, bequem platz findet. ich faltete dieses kuvert einmal der länge nach um, und klebte es dann mit der dem kuvert eigenen gummierung zusammen. eine sehr einfache lösung, praktisch, schnell, billig, funktionell, und vor allem konnte ich dieses kuvert nach meinem gutdünken selbst gestalten. diesem ersten folgten noch ein oder zwei andere in der selben manier hergestellte lesezeichen. leider besitze ich kein einziges mehr davon.

zwischendurch kamen dann diverse gratis-lesezeichen aus büchereien dazu, hin und wieder fand sich in neu gekauften büchern wieder eines, und zwischendurch bastelte ich auch selbst welche, mit motiven aus comic-werbekatalogen. und manchmal ganz selten, kaufte ich mir sogar welche, zwar nur dann wenn mir diese besonders gut gefielen, aber dennoch, sogar davor schreckte ich nicht zurück. ich habe zum beispiel auch uralte büchereikarten aus ausgemusterten büchereibüchern, lesezeichen aus messekatalogen, gefundene und in büchern vergessene... 

ich habe also meinen stapel an lesezeichen, und so wie bei allen dingen die ich besitze und immer wieder brauche, wie zb teller, tassen gläser, tshirts, pullover usw., kommt das soeben gebrauchte/gewaschene/abgespülte ganz nach unten, und das oberste wird als nächstes verwendet. so mischen sich meine lesezeichen immer wieder zu einer neuen reihenfolge. jetzt könnte man einwerfen, dass man ja kaum mehr als 3, vielleicht vier oder fünf lesezeichen auf einmal brauchen wird. das stimmt natürlich. aber es ist nun mal so, dass ich mit jedem einzelnen lesezeichen erinnerungen verbinde, die dann wieder zutage treten wenn ich es in händen halte, bzw wenn ich es sehe.

ja ich weiss, dieses verhalten kann man fast schon exzentrisch nennen (ex-zentrisch: nicht mittig, aus der mitte gerückt, also verrückt), aber ich stehe zu meinen kleinen verrücktheiten, wie das lesezeichen sammeln, burger von mcdonalds in etapppen zu essen, oder zahnpasta lieber in metalltuben zu kaufen als in plastik.

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