eine seifenoper - nein, eine seifen-oma

manchmal findet man dinge ohne sie jemals gesucht zu haben, bzw. wird einem erst dann bewusst, dass man unbewusst danach suchte, wenn man sie zufällig findet. aber ich muss um meine heutige geschichte erzählen zu können ein bisschen weiter ausholen:

so wie alle menschen auf dieser welt habe auch ich großeltern, und zwar 4 stück. nein, genau genommen habe ich sogar 5 stück, da mein großvater mütterlicherseits nicht mein leiblicher großvater ist, was ich jedoch lange zeit nicht wusste - aber das ist wieder eine andere geschichte. nun, der mütterliche teil lebte in deutschland in der nähe von worms, umzingelt von weinbergen und belebt von allgegenwärtigen frühschoppen mit sauren weißweinachterln. von diesem teil ist inzwischen nur mehr meine großmutter übrig. der väterliche teil lebte in bad gastein, umzingelt von bergen, touristen und thermalquellen. hier sind bereits beide verstorben.

als ich noch ein kind war, und es eine familie gab die sich so benahm wie sich eben eine familie benimmt, nämlich dass sie immer wieder ihre verwandtschaft besucht, waren wir logischerweise auch oft bei meinen großeltern väterlicherseits zu besuch, wobei mein großvater bereits früh verstarb, ich also im grunde fast nur mehr erinnerungen an die großmutter habe. meistens waren wir dort in der winterzeit, da es dort natürlich wundervoll war skizufahren. hin und wieder auch zu ostern, wobei ich mich daran erinnere einmal am osterwochenende derart eingeschneit worden zu sein, dass mein vater 2 tage brauchte um die unsäglich lange auffahrt von der zufahrtsstrasse bis hin zum haus freizuschaufeln. in meiner erinnerung war der schnee so hoch wie ich selbst, mein vater sagt jedoch es wäre ihm in etwa bis zu den knien gegangen.

 es gibt natürlich jede menge an sehr spezifischen erinnerungen die mit dem haus meiner großmutter, mit ihr selbst, und der zeit die ich dort verbrachte zusammenhängen. so gab es zum beispiel einen kachelofen im wohnzimmer, der wohl zu einem großen teil für meine latenten pyromanischen anfälle verantwortlich ist. damit zusammenhängend erinnere ich mich auch daran, dass es nie einfach nur briketts gab, sondern diese briketts, jedes einzeln, noch einmal zusätzlich in zeitungspaier eingewickelt worden war. ich dachte als kind immer es hätte es etwas damit zu tun, dass die briketts so schneller oder besser anglühen, erst später kam ich dahinter, dass der grund für die eingewickelten briketts darin lag, dass man sich schlicht und einfach die hände nicht mehr daran schmutzig machen konnte. auf der toilette gabe es ein ähnliches, ich möchte fast sagen "phänomen". dort lagen kleine papierstapel, in etwa der größe eines geviertelten din-a4 blattes, zusammengerissen oder -geschnitten aus alten zeitschriften und zeitungen. irgendwann einmal erfuhr ich, dass diese dem zwecke dienten, dass man ein solches stück papier vor der verrichtung seines großen geschäftes IN die klomuschel legte, somit die ganze geschichte AUF dem papier landete und auf diese weise erstens die sache in einem stück runtergespült werden konnte und man sich zweitens somit auch die klobürste sparte. 

 natürlich gibt es auch einige kulinarische erinnerungen, wie zb das tradítionelle wiener schnitzel mit petersilerdäpfeln und grünem salat, dass es immer am tag unserer ankunft sozusagen als willkommensessen gab. es war nichts besonderes, aber niemand machte schnitzel mit petersilerdäpfel und grünem salat so wie es meine großmutter machte. ausserdem bekam ich dort immer ovomaltine und in kleine würfel geschnittenes butterbrot zum frühstück. seltsamerweise gab es auch immer linzerschnitten, obwohl diese ausser meinem vater niemand von uns mochte, auch ich nicht. inzwischen habe ich mich mit ihnen angefreundet, aber wahrscheinlich nur weil sie mich eben an meine großmutter erinnern. und bei eben dieser großmutter bekam ich zum ersten und bisher einzigen mal in meinem leben salzburger nockerl als nachspeise. *seufz* das hätte ich gerne wieder, aber wo bekommt man die heutzutage noch, ausser vielleicht in einem teuren lokal in salzburg stadt?

das haus meiner großeltern selbst war nicht nur in einem sehr entlegenen winkel relativ hoch oben am berg gebaut worden, es war zudem auch relativ seltsam konstruiert, was auch daher rührte, dass es immer wieder, je nach finanzieller lage, aus- und umgebaut und erweitert wurde. was ich persönlich am allerseltsamsten fand war, dass es kein badezimmer gab, obwohl im haus genug platz dafür gewesen wäre, immerhin standen 2 zimmer leer und dienten als rumpelkammer, zusätzlich zu den 2 gästezimmern, die einmal die kinderzimmer meiner beiden tanten, und auch auch meines vaters waren. ich weiss bis heute nicht wem welches zimmer gehörte, ist aber im grunde nebensächlich.

 

erst später, als ich bereits erwachsen war, kamen im ersten stock eine größere toilette mit waschbecken und ein winziges bad in dem gerade mal die wanne platz hatte dazu. bis dahin war der einzige platz um sich zu baden, bzw. die zähne zu putzen oder sich einfach nur abzuwaschen, eine kleine nische, die nur durch einen duschvorhang von der küche abgetrennt war. in dieser nische gab es jedoch immerhin eine badewanne und ein waschbecken - und eine badebürste aus holz mit borsten aus echtem haar, einem stil den man abnehmen konnte und einer schlaufe aus robustem stoff (hier schrieb ich ja bereits in meinem badeblog davon). die dinger sind wirklich praktisch, erfüllen wunderbar ihren zweck, und sind vor allem nicht aus plastik - was mir bei solchen angelegenheiten immer wieder wichtig ist. ich bin kein natur- oder gesundheitsfreak, aber wenn ich etwas statt aus plastik aus holz oder metall oder anderen natürlichen materialen bekommen kann, ist mir das einfach lieber. wahrscheinlich auch wegen genau solcher kindheitserinnerungen.

und nun kerhren wir aus meinen kindheitserinnerungen in die gegenwart zurück.

ich schrieb ja bereits vor kurzem in oben erwähnten blogartikel: ich kann duschgel nicht ausstehen, ich dusche nicht einmal gerne, lieber nehme ich ein bad oder wasche mich ganz ordinär mit einem waschlappen ab. selbst wenn ich bade verwende ich viel lieber ein stück seife anstatt duschgel. ich mag da wohl ein wenig verschroben sein, oder nennen wir es exzentrisch. nochmal: ich bin kein umweltfreak, aber bei manchen dingen denke ich mir einfach, dass es nicht sein muss. tja und aus diesem grund habe ich ein stück seife lieber als duschgel.

 nun ist es aber so, dass auch die beste seife irgendwann einmal aufgebraucht ist und man neue kaufen muss. und auch hier bin ich ein wenig exzentrisch. ich kann "künstliche" seife nicht leiden, ich habe am liebsten irgendwelche "natürlicheren" produkte. ringelblumenseife, kernseifen, seifen mit honig, solches zeugs eben. und es gibt zum glück im supermarkt meiner wahl (wenn ich mal nicht zum disounter gehe) neben all den doves, niveas, fahs, cds und was weiss ich wie sie alle heissen, auch diese natürlichen seifen. früher gab es sie unverpackt und man konnte sie sich für den einkauf in kleine papiertüten stecken, heutzutage sind leider auch diese in platik eingeschweisst, aber das ist immer noch besser als eine ganze plastikflasche duschgel wegschmeissen zu müssen (nebebei gesagt gehen mir auch die ganzen plastiktrinkflaschen auf den geist, aber auch das ist wieder eine andere geschichte). 

 und seit neustem gibt es auf einmal zwei hersteller solcher natürlichen seifen die dort angeboten werden. zum einen die mir bereits bekannten, und zum anderen die seifen der firma WALDE aus innsbruck (ja, ich mache hier jetzt mal werbung - *klick*). diese neuen seifen waren mir auf anhieb sympathisch. ganz schlicht, keine besondere form, einfach nur ein rechteckiger block aus seife, mit dem schriftzug der firma in klaren geraden unverschnörkelten buchstaben auf der oberseite. natürlich auch diese in eine durchsichtige plastikhülle verpackt. ich wählte 3 verschiedene sorten aus und nahm sie mit nach hause. keinen tag zu früh, denn 2 tage später brach mir meine bisher verwendete seife auseinander und wurde damit also unbrauchbar. und nein, ich schmeisse auch keine "unbrauchbaren" seifenstücke weg, sondern ich zerbrösle sie und deponiere sie einfach in der waschmaschinentrommel, so können diese letzten seifenreste noch zu meiner sauberen wäsche beitragen. obs was bringt weiss ich nicht, aber ich habe zumindest die illusion nicht etwas noch brauchbares weggeschmissen zu haben.

ich wählte aus den 3 zur verfügung stehenden sorten jene mit stutenmilch, und deponierte sie am waschbeckenrand zur baldigen verwendung. schon beim auspacken erinnerte mich der duft der seife an irgendwas, doch ich konnte es zu diesem zeitpunkt noch nicht einordnen. erst als ich mir dann zum ersten mal das gesicht wusch, traf es mich wie der sprichwörtliche blitz: OMA! auf einmal stand ich wieder in dieser seltsamen badezimmernische im haus meiner großmutter in bad gastein. genau so hatte damals, als ich kind war, die seife meiner oma in bad gastein gerochen. ich weiss zwar nicht welche seife sie damals benutzte, aber ich bin mir sicher einen zwilling jener seife gefunden zu haben - und das obwohl ich nie danach gesucht hatte. und trotzdem freue ich mich sehr darüber.

linzer schnitten und wiener schnitzel mit petersilkartoffeln und grünem salat, feuer im kachelofen und in papier eingewickelte briketts, erwachsene die ein seltsames kartnspiel namens schnapsen spielen, während man selbst in ein fremdes bett geschickt wird und the munsters in schwarzweiss auf englisch mit untertitel im fernsehen, im gasthaus ein paar packungen smart für die mutter kaufen und dort eine kugel (oder auch zwei) der einzigen zur auswahl stehenden eissorte (vanille!) zur belohnung kaufen dürfen, schwimmen gehen im warmen thermalwasser und eichhörnchen die einem auf der promenade aus der hand fressen, einen seltsamen strohhut am kopf und einen schwarzen spazierstock als gewehr zum cowboyspielen in der hand den wald durchstreifend, skifahren bis man nicht mehr stehen kann und ein parkhaus in das man unten reinfährt und oben im 10 stock wieder ganz normal auf die nächste strasse fahren kann. all das und noch viel mehr sind erinnerungen an meine kindheit und an meine zeiten bei meiner großmutter in bad gastein. und nicht zuletzt der duft nach einer bestimmten seife.

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