mehr von früher

als ich damals vor vielen jahren in tirol ankam, hatte ich noch eine fixe zahnspange. in deutschland war das ganz normal, dort hatte etwa ein viertel aller schüler entweder eine permanente zahnspange, oder eine zum rausnehmen, wer eine zahnspange hatte war irgendwie cool. die allercoolsten hatten am gürtel einen kleinen plastikbehälter baumeln, in dem sie ihre herausnehmbare zahnspange deponieren konnten. in tirol war ich jedoch in etwa einer von 10.000... - schülern, nicht einwohnern! natürlich hatte ich dadurch gleich mal einen sptznamen weg und zwar "voest-alpine". ich verstand lange zeit diesen scherz nicht, bis ich dahinterkam dass das eine stahlproduzierender betrieb war. meine mitschüler hatten soetwas noch nie vorher gesehen und was man nicht kennt muss man natürlich lächerlich machen.

 als ich dann endlich die zahnspange los wurde, kam ich auf die abstruse idee mir eine dauerwelle machen zu lassen. ich sah zwar richtig gut damit aus, doch als 13jähriger (oder war ich da schon 14?) schüler im hochkonservativen tirol, voller geistig vernagelter menschen samt ihrem nachwuchs, der ja zusammen mit mir in der klasse saß, hatte ich mich mitten in ein weiteres fettnäpfchen gesetzt. burschen machen sich keine dauerwellen, das ist mädchenhaft. jedoch gerade mit dieser frisur schnappte ich mir während der wienwoche das schönste und begehrteste mädchen einer weiteren schulklasse aus tirol, die zur selben zeit auf wienwoche waren und im selben hotel (streng genommen muss man sagen: in der selben absteige) residierten. passiert ist damals garnichts, ausser dass man engumschlungen zusammen tanzte und sich nach dieser woche noch ein paar mal briefe schrieb. sie war groß, schlank und blond und trug einen zauberhaften minirock, zumindest fand ich den damals zauberhaft, heutzutage fände ich ihn schrecklich. jedenfalls war das sowas wie der erste aufriss meines lebens und es war mir eine tiefe genugtuung wie mir all die großmäuler, die mich sonst während der pause pflanzten oder manchmal sogar versuchten zu verprügeln, dabei zusehen mussten, wie ich mit meiner blondine engumschlungen tanzen konnte.

 ansonsten war diese wienwoche ein einzges disaster. ich hatte nur eine dünne jacke dabei und während der ganzen woche blies der wind wie verrückt. mir war ständig zu kalt. ausserdem hatte ich großartige 100,- schillinge von meinen eltern bekommen. damit musste ich sämtliche eintritte zahlen und auch alles andere was ich mir während dieser woche leisten wollte. natürlich verlor ich bereits am 2. tag während des besuchs des praters 50,- schillinge, wobei ich mir fast sicher bin, dass ich diese nicht verlor, sondern mich als unerfahrener jugendlicher an irgendeiner kasse übers ohr hauen ließ, so dass ich mich den rest der woche aufs allernotwendigste beschränken musste. einmal lud mich unser busfahrer aus mitleid auf ein saftl ein. das war glaub ich am donauturm.

 da fällt mir natürlich auch gleich die skischulwoche ein. diese fand ca. 2 monate nach meiner verschleppung nach tirol und ein jahr vor der wienwoche statt. ich hatte zunächst keine ahnung dass es soetwas überhaupt gibt, in deutschland ist soetwas unbekannt, zumindestw war es mir bis dahin unbekannt. zum glück konnte ich von kindesbeinen an skifahren, so dass ich mich hier ausnahmsweise mal nicht zum affen machte *g*. jedoch hatte ich das pech, dass mir in dieser woche der reißverschluss meiner skihose kaputt ging, also musste ich in normaler jeans skifahren gehen, was für mich aber kein großes problem darstellte, denn in dieser woche war es relativ schön und warm. nur als wir auf den gletscher wollten war eine skihose (eine sogenannte jethose) pflicht. also trat ich an meine klassenlehrerin (die ja hier klassenvorstand heisst) heran, um sie darum zu bitten, das teil zu reparieren, bzw. zu nähen. die blies mir aber gehörig den marsch und weigerte sich. nun, vielleicht hätte ich erstens vor betreten ihres zimmers anklopfen sollen und sie somit nicht in unterwäsche überrascht und zweitens dies nicht 10 minuten vor abfahrt auf den gletscher tun sollen, was ja zeitlich doch recht knapp bemessen war. schlussendlich konnte ich mir dann doch kurzfristig von einem klassenkameraden eine dieser jethosen ausleihen. der ausflug war gerettet und ich sah wieder mal lächerlich aus, da dieser kamerad ein paar nummern größer und breiter war als ich, so dass diese jethose an mir herumschlackerte.

eines abends, als wir alle im tv-raum saßen (damals war es noch nicht üblich dass jedes zimmer einen fernseher hatte - und es gab nur 2 programme: fs1 und fs2, die heutigen orf1 und orf1) überfiel mich entweder übermut oder boshaftigkeit, ich kann es nicht mehr genau sagen, jednefalls schmiss ich einen ausgekauten kaugummi nach vorne, in richtung eines mädchens mit langen blonden haaren. im laufe des abends erfuhr ich dann dass der kaugummi tatsächlich in ihren haaren gelandet war und sie den rest des abends damit zugebracht hatte diesen wieder herauszubekommen. das tut mir heute noch leid.

 es gab dann irgendwann auch ein rennen bei dem ich allen zeigen wollte dass ich doch was drauf hatte. und prompt fädelte ich an einem tor ein, schlitterte die halbe rennstrecke nach unten und musste alles wieder nach oben klettern um meinen lauf fortzusetzen. unten angekommen, als ich nach meiner zeit fragte, meinte der nette lehrer der meine zeit gestoppt hatte mit grinsendem gesicht "bestzeit". ich stutzte, und für eine halbe sekunde war ich vor freude fast aus dem häuschen, obwohl mir eigentlich klar sein hätte müssen dass das nicht stimmen konnte, bis dann eben dieser nette lehrer seinen satz mit den worten "...bis zum 5. tor als du eingefädelt hattest" fortsetzte. von diesem zeitpunkt an war mir klar dass man in tirol jederzeit bei jedem damit rechnen musste verarscht zu werden, ohne rücksicht auf das eigene befinden, nicht nur von klassenkameraden, freunden und nachbarskindern, auch von den eigenen lehrern. 

 nun, das mit dem verarschen war mir tatsächlich total neu. ich war es nicht gewohnt jederzeit damit rechnen zu müssen. es fing schon an meinem ersten schultag an, noch bevor ich überhaupt in der schule war. am weg zur bushaltestelle traf ich einen nachbarsjungen der den selben weg hatte wie ich und dieser wollte mir sogleich einreden dass einer der umliegenden berge ein vulkan sei, da hinter ihm eine wolke so aussah als hätte dieser berg tatsächlich eine vulkanische spitze. doch so leicht ließ ich mich nicht beirren, ich wusste bereits damals, dass es in österreich keine vulkane gab. doch all dies machte mich zum zyniker und schulte meine schlagfertigkeit. ganz so leicht wollte ich es "denen" dann doch nicht machen.

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