von kritiken, inhaltsangaben und spoilern

ist denn eigentlich noch niemandem aufgefallen, dass sich schon seit längerem die grenze zwischen inhaltsangabe und kritik dermaßen aufweicht, dass inzwischen schon reine inhaltsangaben als kritiken durchgehen? nun, MIR fällt das immer wieder auf. und zwar sehr unangenehm! im grunde ist es völlig egal ob wir hier nun über filme oder bücher sprechen. theater, oper und ähnliches (musical, kabarett...) kann man hier ausnehmen, denn das ist wieder eine völlig andere kategorie.

 

also, stellen wir mal folgendes fest: eine inhaltsangabe beschreibt den inhalt ohne zu werten. dies ist ja auch gut und richtig, doch muss man hier auch noch einmal unterscheiden, ob es sich um einen rein informativen text handelt, wie zb. bei klappentexten auf büchern, oder um einen aufsatz im germanistikunterricht. das eine sollte nur neugierig machen und einem eine ungefähre vorstellung darüber verschaffen was einen erwartet. das andere MUSS bis ins letzte detail anspruch auf vollständigkeit erheben und lässt keine fragen offen. nach einer solchen inhaltsangabe kann man sich das lesen oder ansehen des eigentlichen werkes eigentlich sparen, ausser man ist fan des autors, des regisseurs, oder einzelner schauspieler. oder, was auch gelegentlich vorkommen kann, die geschichte begeistert einen dermaßen, dass man sich trotz nun recht gemilderter spannung diesem erlebnis hingeben möchte.

 

weiters stellen wir fest: eine kritik analysiert und bewertet. hier geht es darum, wie gut oder schlecht, oder von mir aus auch mittelmäßig, einzelne bestandteile des vorliegenden werkes nach meinung des kritikers gelangen. es handelt sich hier auch IMMER um die persönliche meinung, bzw. bewertung eines einzelnen. darum kann es auch vorkommen, dass sich kritiken verschiedener kritiker sehr voneinander unterscheiden. bei büchern werden zum beispiel handlung, aufbau, stil und sprache bewertet, bei filmen im grunde ebenso, doch hier kommen auch noch bildsprache, schauspielerische leistung, kameraführung und die leistung des regisseurs dazu, bei literaturverfilmungen auch noch die werkstreue - und je nach genre vieles mehr.

 

  es ist natürlich legitim bei einer kritik eine kurze inhaltsangabe einzubauen, vor allem wenn die handlung kritisiert werden sollte, doch eine inhaltsangabe zu liefern, die in der regel auch noch eins zu eins aus der pressemappe oder dem klappentext herauskopiert wurde, und dies dann als kritik zu verkaufen, empfinde ich einfach als frechheit. besonders dann, wenn es auf diese art von "promovierten" kritikern mit akademischen titeln (journalismus, germanistik, whatever...) praktiziert wird. besonders gerne geschieht es auf diese art bei kritiken zu filmen.

 

ein damit verwandtes thema ist das spoilern. hier möchte ich wikipedia zitieren: "Ein Spoiler (engl. to spoil, „verderben“) ist eine Information, die wesentliche Handlungselemente eines belletristischen Werks, eines Films, eines Hörbuchs oder zukünftiger Folgen einer Serie zusammenfasst und dadurch dazu geeignet ist, den Genuss am Konsum des vollständigen Werks zu verderben." - genau das erleben wir nämlich viel zu oft bei oben erwähnten kritiken, die eigentlich nichts anderes als inhaltsangaben sind.

 

natürlich erleben wir das unabsichtliche spoilern vor allem im privaten rahmen, wenn wir zum beispiel jemanden befragen, der jenes buch gelesen, hörspiel gehört, jenen film oder jene serie gesehen hat, das/den/die wir selbst gerne lesen/hören/sehen möchten. nicht zuletzt aufgrund oben genannter kritkerpraxis verwechseln inzwischen viele menschen kritik mit inhaltsangabe, und spoilern uns somit unabsichtlich, weil sie es einfach nicht besser wissen - oder sich einfach keine gedanken dazu machen. man kann sie dann zwar darauf hinweisen, muss es ihnen aber nachsehen. leider.

 

bei filmen oder serien kann man ja zum glück auf trailer und/oder teaser (den unterschied zwischen trailer und teaser erkläre ich jetzt hier nicht - vielleicht  ein anderes mal bei passenderer gelegenheit) zurückgreifen. doch auch hier besteht höchste spoilergefahr.

 

  aber es gibt menschen, die die spannung nicht ertragen. diese können zum beispiel kein buch lesen, ohne nicht vorher schon die letzte seite gelesen zu haben. dafür fehlt mir nun wirklich jedes verständnis. ich selbst habe in meinem ganzen leben noch nie auf die letzte seite eines buches gesehen, bevor ich nicht durch lesen aller vorherigen seiten ganz von selbst dort hingelangt bin.  natürlich gibt es ausnahmen, zum beispiel bei fachbüchern oder nachschlagewerken. oder wenn ich ein buch am flohmarkt erstehe. seit es mir ein mal passierte, dass in einem solchen flohmarktbuch die letzten seiten fehlten, habe ich es mir zur gewohnheit gemacht, nachzusehen ob die letzten seiten auch vorhanden sind. ich lese dabei natürlich kein wort, ich sehe nur nach ob die seiten da sind. und aus. das fehlen der letzten seiten ist nämlich mindestens genau so schlimm, wenn nicht sogar noch schlimmer, als gespoilert zu werden. und bei büchern von denen ich mir nicht sicher bin ob sie mir zusagen, schlage ich einfach mittendrin auf und lese einen absatz, oder eine seite, dadurch bekomme ich einen ungefähren eindruck ob mir das buch zusagen wird, oder nicht. das gelesene vergesse ich sowieso wieder....

 

aber warum macht man das? man verdirbt sich doch damit den ganzen spass. zumindest empfinde ich es so. bei einem hörbuch hört man sich ja auch nicht zuerst einmal die letzten 2 minuten an, bei einem film sieht man sich ebenfalls nicht den schluss an bevor man dazu übergeht den ganzen film zu sehen. man hört oder sieht vielleicht mal kurz rein, aber mehr nicht. vielleicht liegt es daran, dass es bei einem buch viel einfacher ist, als bei hörbüchern oder filmen. und ich frage mich, ob sich das im herandämmernden zeitalter der e-books vielleicht ändern wird.

 

also, liebe kritiker, verwechselt in zukunft bitte nicht mehr kritik und inhaltsangabe!

 

liebe klappentext- und inhaltsangabenschreiber, bitte spoilert nicht zu sehr!

 

und liebe spoiler, haltet bitte einfach eure klappe!

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